Posts mit dem Label Human Design (HDS) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Human Design (HDS) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. Juli 2013

First find your damned conditionings!

Tagebucheintrag vom 29. März 2012

Und wieder konnte ich nicht schlafen. Schlief vielleicht eine Stunde und war hellwach. Las, rauchte, aß, schlief wieder eine halbe oder eine Stunde und war wieder hellwach. Dann ging gar nichts mehr. Halb fünf setzte ich mich verzweifelt an den PC und übersetzte zwei Seiten. Ich dachte erst, ich mache gleich durch und gehe halb acht zum Arzt, doch das ging nicht, denn mein Körper war hundemüde, und mein Geist zermatscht - ich brauchte über eine Stunde für die zwei Seiten und konnte dann einfach nicht mehr. Halb sieben stellte ich meinen Wecker auf halb zehn und schlief endlich ein.

Halb eins trieben mich brüllende Kopfschmerzen aus dem Bett. Irgendwie schaffte ich es noch, bis halb zwei zu schlafen. Die Kopfschmerzen brüllten zwar nicht mehr ganz so laut, aber es reichte, ich war einfach krank.
Ich schaffte gerade noch weitere zwei Seiten, aber sonst nichts, es ging einfach nicht. Ich hatte fürchterliche Kopfschmerzen. Am Nachmittag rief ich meine Freundin an, um sie zu bitten, eine Geistheilung für mich zu machen. Sie hatte gerade keine Zeit, wollte aber spätabends etwas für mich tun.

Sie brachte mich jedoch auf die Idee, mithilfe der Genschlüssel und des HDS zu untersuchen, welche „Lasten‟ (Konditionierungen) ich von meinen beiden Eltern und überhaupt von meiner Familie übernommen habe.

Ich fing mit meiner Mutter an und begann sogleich zu Beginn, interessante Übereinstimmungen zu entdecken.

Gegen halb sechs waren meine Kopfschmerzen schon wesentlich besser, und gegen sieben waren sie ganz weg. Da machte ich noch einmal einen kräftigen Spaziergang. Um elf fiel ich todmüde ins Bett, las noch bis Mitternacht und schlief dann sofort wie ein Stein.

© Angela Nowicki, 26. Juli 2013

Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Sippe

Tagebucheintrag vom 31. Januar 2012

Frage: Was kann ich tun, um diese Woche noch endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, mich zu befreien?

I GING - 37.5 – Die Sippe

Auch hier muss die Wirkung von der eigenen Person auf andere ausgehen. Um eine solche Wirkung ausüben zu können, müssen die Worte eine Kraft haben, das können sie nur, wenn sie auf etwas Wirklichem beruhen. Nur wenn die Worte sachlich sind, sich auf bestimmte Verhältnisse klar beziehen, haben sie Einfluss. Allgemeine Reden und Ermahnungen sind gänzlich wirkungslos. Ferner müssen die Worte unterstützt werden von dem ganzen Benehmen. Nur ein festes, konsequentes Handeln wird auf andere den Eindruck machen, dass sie sich ihm anpassen und nach ihm richten können. Sind Wort und Benehmen nicht im Einklang und konsequent, so bleibt die Wirkung aus.
Ein König naht er seiner Sippe, fürchtet euch nicht.
Heil!

Ein König ist das Bild eines väterlichen, innerlich reichen Mannes. Er handelt nicht so, dass man sich vor ihm fürchten muss, sondern die ganze Familie kann Vertrauen haben, weil die Liebe herrscht im Verkehr. Sein Wesen übt ganz von selbst den rechten Einfluss aus.
Richard Wilhelm

Mittlerweile (heute ist der 9. Februar) ist diese Antwort ganz klar. Das Ging sagte mir: Entweder du willst es wirklich und bist dir auch sicher, es zu können, dann sollst du sprechen. Ist dem nicht so - schwankst du im Grunde noch, oder fühlst du dich unfähig, oder ist deine Angst zu stark - dann schweige und lass es sein. Wenn du aber aus einer absoluten inneren Sicherheit heraus sprichst, wirst du im Partner einen hilfreichen und liebevollen Verbündeten und Ratgeber finden.
Als die Angst mir noch die Luft nahm, war ich nicht in der Lage, die Aussage zu erkennen: „Wenn du es nicht kannst, dann lass es!‟
Im Genschlüssel 37 geht es um den Übergang vom Männlichen zum Weiblichen, um die Stärke der Sanftheit und Zärtlichkeit und um die gesamte Menschenfamilie. Es ist genau das, was ich vorigen Sonnabend (als Jupiter auf die Linie 27.2 gelaufen war, die mütterliche Fürsorge) erkannt habe: dass ich mein inneres Kind mit Liebe und Bewunderung aus ganzem Herzen fördern und anleiten muss, um es endlich aus dem väterlichen Zwang und „Militärregime‟ zu befreien. Und auch die hier gezogene Linie 37.5 heißt „Liebe‟.
Außerdem ist es ziemlich interessant, dass auf die Frage nach meiner Befreiung Hexagramm 37 kam, denn das bildet in der Körpergrafik des Human Design einen Kanal mit Hexagramm 40, der „Befreiung‟.

© Angela Nowicki, 17. Juli 2013

Dienstag, 16. Juli 2013

Die sieben Urängste

Tagebucheintrag vom 18. Januar 2012

Was sind meine Ängste, die mich am Leben hindern?
Ras Angstzuordnungen im HD überzeugen mich gar nicht. Welchen gravierenden Unterschied soll es zwischen der Angst vor dem Versagen und der vor Unzulänglichkeit geben? Die Angst vor Unzulänglichkeit ist eine Angst vor dem Versagen. Und die Angst vor Verantwortung ebenso!
Die dritte. Angst vor der Vergangenheit? Was kann einem die Vergangenheit denn tun? Und wenn sie was tut, dann ist das, was sie tut, der Auslöser für die Angst und nicht die Vergangenheit selbst.
Dasselbe betrifft die Zukunft. Zukunft ist nur ein Ort, auf den Ängste projiziert werden, nicht der Grund einer Angst selbst. Das wären dann Überlebensängste (Angst vor dem Tod, vor Krankheit), Verarmungsängste etc.pp. - alle Ängste können auf die Zukunft projiziert werden.
Und die Angst vor Autoritäten? Warum hat man Angst vor denen? Das ist eine Bestrafungsangst, und die wiederum beruht wahrscheinlich auf der Angst vor Ablehnung oder vor körperlichem Schmerz. Nun sitzt die Angst vor Ablehnung im HD in Tor 43, das ist ein intellektuelles Tor, eine intellektuelle Unruhe. Angst vor Ablehnung aber ist ursprünglich eine emotionale Angst.

Das Problem ist, dass, wenn die Leute schon mal Ängste als notwendiges Entwicklungspotenzial ansehen (und nicht als Krankheit an sich oder etwas, was weggemacht werden kann), dann verheddern sie sich in Quartär- und noch weiter untergeordneten Ängsten, und kaum jemand versucht mal, zum Grund durchzudringen und das ganze archetypisch zu sehen. Das ist die Schwäche der meisten Menschen - und meine spezielle Stärke: zum Grund durchzudringen und zwar bis zum letzten Grund! Das Tor der Tiefe, Tor 48, in dem meine Design-Sonne steht - meine Strahlkraft. In diesem Sinne ist es wirklich ein logisches Tor. Es hat ebenso viel mit erbarmungslosem Denken zu tun wie mit Tiefgründigkeit.

Da finde ich eine ganze mediale Bibliothek von Hasselmann/Schmolke bei amazon, u.a. die sieben Urängste. Das sieht schon ganz gut aus - ist zwar auf den ersten Blick nicht so bedingungslos logisch wie der Riemann, dafür aber um Welten wahrer in der Sicht auf diese Ängste.

Ich allerdings denke, dass eine Angst nie primär ist. Sie ist immer an ein Bedürfnis gekoppelt, und das ist primär. Angst ist immer nur der Schutzmechanismus zur Bedürfnisbefriedigung und als solcher gesund.
Neurotisch wird sie, wenn sie vom Bedürfnis abgekoppelt wird. Bei Maslow finden wir 5 Grundbedürfnisse, später hat er wohl noch eins draufgesetzt. Die physischen Bedürfnisse, die ich Überlebenstrieb nennen würde, brauchen die Angst vor dem Tod als Absicherung. Die Sicherheitsbedürfnisse die Angst vor Unsicherheit bzw. Veränderung (s. Riemann - zwanghafter Typ). (Hier passt die Verantwortung mit rein!) Die sozialen Bedürfnisse brauchen die Angst vor Ablehnung (Riemanns depressiver Typ), die Individualbedürfnisse die Angst vor Versagen und die Selbstverwirklichung die Angst vor Einengung oder Unfreiheit (schizoider Typ bei Riemann). Zur Transzendenz könnte dann noch die Angst vor Sinnlosigkeit oder Leere passen (Riemanns hysterischer Typ?). Aber noch eins fehlt.

Was sagen Hasselmann/Schmolke?
  • Angst vor Unzulänglichkeit = Selbstverleugnung
  • Angst vor Lebendigkeit = Selbstsabotage
  • Angst vor Wertlosigkeit = Märtyrertum
  • Angst vor Unberechenbarkeit = Starrsinn
  • Angst vor Mangel = Gier
  • Angst vor Verletzung = Hochmut
  • Angst vor Versäumnis = Ungeduld
Die Begriffe hinter dem Gleicheitszeichen sind die Kompensationsmechanismen. Erinnert teilweise an die sieben Todsünden.

© Angela Nowicki, 15. Juli 2013

Die 20 Ängste des Human Design


In der Körpergrafik des Human Design gibt es drei „Angstzentren‟, und das sind die drei Wahrnehmungszentren:
  1. Die instinktive Wahrnehmung des Milzzentrums ist an die instinktiven, die existenziellen Ängste gekoppelt.
  2. Die (bei den meisten Menschen erst ansatzweise ausgebildete) emotionale Wahrnehmung des Solarplexuszentrums ist an emotionale Ängste gekoppelt, die als emotionale Nervosität bezeichnet werden.
  3. Die intellektuelle Wahrnehmung des Kopfzentrums (Ajna) ist an intellektuelle Ängste gekoppelt, die als geistige Unruhe beschrieben werden.
Das Milz- und das Solarplexuszentrum enthalten je 7 Tore (Ging-Hexagramme), das Kopfzentrum enthält 6. Jedem dieser Tore wird eine dieser verschiedenen Ängste zugeordnet. Dies nun sind die 20 Angsttore des Human Design:

MILZ
Tor 18 – Angst vor Autoritäten
Tor 28 – Angst vor dem Tod
Tor 32 – Angst vor Versagen
Tor 50 – Angst vor Verantwortung
Tor 44 – Angst vor der Vergangenheit
Tor 57 – Angst vor der Zukunft
Tor 48 – Angst vor Unzulänglichkeit

SOLARPLEXUS
Tor 30 – Angst vor dem Schicksal
Tor 55 – Angst vor der Leere
Tor 49 – Angst vor der Natur
Tor 6 – Angst vor Nähe
Tor 37 – Angst vor Tradition
Tor 22 – Angst vor Stille
Tor 36 – Angst vor Unzulänglichkeit (? – ich weiß nicht, ob es sich hier um einen Druckfehler handelt, da die Unzulänglichkeit bereits im Milzzentrum auftaucht; angesichts des traditionellen Titels dieses Hexagramms im I Ging, „Die Verfinsterung des Lichts‟, wäre eher Angst vor Dunkelheit naheliegend, oder – angesichts des Titels dieses Tors im HD, „Krise‟ – Angst vor Krisen bzw. Katastrophen. Logisch ist das alles nicht – s. Folgepost „Die sieben Urängste‟)

KOPF
Tor 47 – Angst vor Sinnlosigkeit
Tor 24 – Angst vor Unwissenheit
Tor 4 – Angst vor dem Chaos
Tor 11 – Angst vor Dunkelheit (i.S.v. Ungewissheit)
Tor 43 – Angst vor Ablehnung
Tor 17 – Angst vor Infragestellung

© Angela Nowicki, 14. Juli 2013

Mittwoch, 10. Juli 2013

Chiron

Tagebucheintrag vom 14. Dezember 2011

Chiron. Gestern Nacht beim Einschlafen fühlte ich nach fast 40 Jahren wieder, was ich damals gefühlt hatte, und hörte die Musik. Die Musik und die Gefühle sind unauflöslich miteinander verbunden.
Schmerz. Schmerzende Sehnsucht. Ausgesetzt im Kosmos, aber noch darf die Sehnsucht hoffnungsvoll sein. Sehnsucht nach Liebe. Sehnsucht nach Nähe. Eine Sehnsucht wie eine Kreissäge, nichtsdestotrotz. Schmerz.
Und dann kam ich zu mir und prognostizierte mir die Zukunft, und die 17-jährige blickte erstaunt in ihre Zukunft und blickte in einen immer dunkler werdenden Tunnel hinein, und dieser Tunnel hieß: Ein Leben voller Leid. Und die 17-jährige sagte: „Ich will nicht leben.‟
Seit ich 14 bin, ist mein Leben konsistentes Leid. Vierzehn? Nein, das war es schon, seit ich zur Schule kam. Schon im Kindergarten. Vielleicht von Anfang an, ich habe mich ja eingeengt gefühlt, seit ich zurückdenken kann.
Leid. Melancholie. Schmerz. Im Grunde ein emotionales Problem, denn weder hungere oder friere ich, noch erlebe ich körperliche Gewalt, noch bin ich krank. Letztlich mein Problem, denn ich bin es, die unter ihren Gefühlen leidet. Weil da ein Bedürfnis ist wie eine monströse Wunde.
Chiron. Chiron ist die Wunde. Und der Heiler. Chiron steht im HDS bei mir in Tor 19, der Annäherung. Zwar kein Gefühl, aber schlimmer noch: ein Bedürfnis, das Gefühle ansaugt, denn dieses Tor bildet einen Kanal mit Tor 49 im Emotionszentrum. Ich habe in der Nacht schon mal kurz im Offermann nachgeschaut, welche Linie es denn sein könnte, und die einzige problematische ist die 3. Heute sehe ich: Mein Chiron steht auf der 19.3!
Und der Design-Chiron in der 41 - ich hab's mir gedacht! Der Zwilling vom Bedürfnis: der Wunsch, das Verlangen. Die Minderung. Auch die führt vom Wurzel- zum Emotionszentrum, und was sie hier anzieht, ist wohl die tiefste Sehnsucht überhaupt: Tor 30, das Haftende Feuer, heiß und verzehrend.
Bei Richard Rudd ist der Schatten des 19. Genschlüssels die Bedürftigkeit. Die Bedürftigkeit als Schatten der Sensibilität. Und beim 41. sind Fantasie und Verträumtheit der Schatten der Vorahnung.

Heute Nacht beim Einschlafen blickte die 14-jährige jedenfalls wieder in den Tunnel und hörte die Musik. Und fühlte.

© Angela Nowicki, 10. Juli 2013

Mittwoch, 3. Juli 2013

Was sagt das I Ging?


Am 18. Oktober 2011 legte ich das I Ging zur Frage:

Warum halte ich insgeheim die Bedürfnisse aller Menschen für wichtiger als meine? Woher kommt diese Person in mir, die meine Individualisierung verhindert? Wieso bin ich klein und darf das nicht?

Als Ausgangssituation fiel Hexagramm 44 - Das Entgegenkommen
Das dunkle Prinzip (Yin auf Platz 1 ganz unten) drängt sich heimlich und unerwartet von innen und unten her wieder ein, nachdem es beseitigt war. Dass die fünf Yang darüber dem Yin bedingungslos vertrauen, zeigt an, dass ihre Anima beziehungslos ist, d.h. sie wissen den Wert des weiblichen Prinzips nicht einzuordnen.
--> Leichtfertigkeit: Das Gemeine kann sich nur deshalb frech eindrängen, weil das Starke, Lichte es für harmlos hält und mit ihm spielt.
--> Der schmale Grat zwischen Kompromiss und Autorität: Ein gegenseitiges Entgegenkommen der füreinander bestimmten und aufeinander angewiesenen Prinzipien ist nötig.
Rat: Stehe offen zu deinen Überzeugungen und Wünschen und vertreibe auf diese Weise zerstörerische Versuchungen!

Das Zeichen wandelt sich auf Linie 2
Das niedere Element wird hier nicht vergewaltigt, aber unter sanfter Kontrolle gehalten. Dann ist nichts Schlimmes zu befürchten. Nur muss man dafür sorgen, dass es nicht mit Fernerstehenden zusammenkommt, weil es, losgelassen, seine schlechten Seiten ungehemmt entfalten würde.
Ist es mit Fernerstehenden zusammengekommen?
„Wenn andere aufmerksam werden...‟ - Schwachpunkte, Schwächen darf man nicht erkennen lassen.
--> Ich darf mir nicht anmerken lassen, dass ich klein bin. Es ist das Kind in mir, das muss ich sanft unter Kontrolle halten.
„Bewährungshelfer entlassener Sträflinge‟ - wen hat man mir da untergeschoben?
a) Die 2. Linie steht zentral im unteren Halbzeichen des Sanften, d.h. ich versuche, das Kranke am eindringenden Yin zu verstehen.
b) Sie steht auf dem milden Yin-Platz 2, weiß daher um das Schuldigwerden.

Im Human Design gehört Hexagramm 44 zum Schaltkreis des Stammes (Sippe, Familie). Außerdem sitzt es im Milzzentrum = Instinktversagen („den Braten nicht gerochen haben‟) --> führt zu Krankheit
Zellgedächtnis, (Angst vor der) Vergangenheit
Es ist das Tor der Wachsamkeit.

Die Ausgangssituation wandelt sich damit in Hexagramm 33 - Der Rückzug
Ziehe dich statt dessen zurück und suche die Befriedigung in dir selbst.
Die untersten beiden Linien hängen sich an, lassen sich mitziehen oder mitschleppen. Sie bedeuten den fatalen, dunklen und primitiv gebliebenen Saurierschwanz, den die Yang-Linien als Schattenanteil unsichtbar hinter sich her ziehen.
Rat: Aktiver Rückzug und Umwandlung einer schwachen Position in eine Stärke.

Im HD gehört Hexagramm 33 zum Kehlzentrum und zur Vergangenheit und ist damit eine Stimme, die sagt:
„Ich erinnere mich.‟
Das Kind in mir kann sich an mein Erwachsenen-Ich anhängen, kann sich aber auch an alle äußeren Autoritäten - und das sind alle Menschen - klammern!

SCHLUSSFOLGERUNG
Es ist mein schwaches und unreifes inneres Kind, das überall nach einer Autorität sucht, an die es sich klammern kann. Mein bewusstes Ich ist zu weich und zu sehr von Schuldgefühlen besetzt, um ihm eine Autorität sein zu können. Es gibt der eindringenden kindlichen Schwäche nach, die sich wiederum an äußere Autoritäten klammert --> „die Bedürfnisse aller anderen‟. Deshalb „bin ich klein und darf das nicht‟.
Das Ging rät mir nun, mich total in mich zurückzuziehen und die Vergangenheit aufzuarbeiten, damit ICH endlich zur Autorität für mein inneres Kleinkind werden kann.


© Angela Nowicki, 3. Juli 2013

Sonntag, 11. September 2011

HD: Die Schaltkreise, Teil 2


Die Schaltkreisgruppe des Individuums

Aus dem Stamm heraus entwickelt sich das Individuum nicht "vom Ich zum Wir", sondern vom weitgehend unbewussten Wir zum bewussten ICH. Das lässt sich auch an der menschlichen Individualentwicklung nachvollziehen: Das Ich-Bewusstsein entwickelt sich erst gegen Ende der ersten drei Lebensjahre; vorher erlebt sich das Kleinkind als noch nicht getrennt von seiner Umwelt und seinen Bezugspersonen und spricht von sich in der dritten Person. Das Interesse des Individuums sind die Selbstfindung und die Selbstverwirklichung. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, denn das Individuum erwächst ja aus dem Stamm, hat also bereits eine gemeinschaftliche Entwicklungsphase hinter sich. Es ist in der Lage, Rücksicht auf andere Individuen zu nehmen und sie durch sein Vorbild zu bestärken. Es hat allerdings nicht die Aufgabe, für andere da zu sein, sondern in erster Linie für sich selbst, allerdings ohne anderen zu schaden, nach dem Motto: "Freiheit ist immer auch die Freiheit der anders Denkenden." Deshalb ist sein Schlüsselwort nicht Selbstbestärkung, wie in der allerersten Stufe der Integrationskanäle, sondern Bestärkung anderer, weil es andere durch seinen individuellen Ausdruck darin bestärkt, ihren eigenen individuellen Ausdruck zu suchen und auszuleben. Der wahre Individualist sagt: "Seht her, Menschen, all das könnt ihr tun und noch mehr, wenn ihr euch aus dem Joch der Herde befreit und euer Selbst würdigt!"
Die Schaltkreisgruppe des Individuums besteht aus
dem Schaltkreis des Wissens mit den Kanälen
61/24 (Kopf-Ajna) - Gewahrsein, ein Design des Denkers
43/23 (Ajna-Kehle) - Strukturierung, ein Design der Individualität (Genie oder Wahnsinn)
8/1 (Kehle-Selbst) - Inspiration, ein Design des schöpferischen Rollenvorbilds
2/14 (Selbst-Sakral) - Metrum, ein Design des Schlüsselverwalters
3/60 (Sakral-Wurzel) - Mutation, ein Design der impulsiven Entwicklung
38/28 (Wurzel-Milz) - Kampf, ein Design des Eigensinns
57/20 (Milz-Kehle) - Geistesblitz, ein Design durchdringender Bewusstheit
39/55 (Wurzel-Solarplexus) - Gefühlsausdruck, ein Design der Launenhaftigkeit
22/12 (Solarplexus-Kehle) - Offenheit, ein Design der Geselligkeit
dem Schaltkreis der Zentrierung mit den Kanälen
51/25 (Herz-Selbst) - Einweihung, ein Design des Drangs, Erster zu sein
10/34 (Selbst-Sakral) - Erforschung, ein Design, den eigenen Überzeugungen zu folgen
Das Besondere an der Schaltkreisgruppe des Individuums ist, dass sie als einzige Schaltkreisgruppe alle neun Zentren miteinander verbindet. Auch dies ist für mich ein Hinweis darauf, dass das Individuum das evolutionäre Bindeglied zwischen dem Stamm und dem Kollektiv ist: Es hat ein Ego, aber auch ein Selbst und einen Verstand. Beim Wissen dreht sich alles um Selbsterkenntnis und bei der Zentrierung um Selbstfindung und Selbstverwirklichung.

Die Schaltkreisgruppe des Kollektivs

Wenn der Mensch sich selbst gefunden und verwirklicht hat, ist er in der Lage, sich wieder mit anderen zusammenzuschließen, aber dieses Mal nicht mehr in egoistischer Abhängigkeit, sondern in einer Gemeinschaft der Freien. Das Kollektiv ist keine materiell orientierte Interessengruppe, wie der Stamm, sondern eine Gruppe oder Gesellschaft, die aus Individuen besteht, die sich freiwillig für das Gemeinwohl in die Pflicht nehmen lassen, ohne ihre Individualität aufzugeben. Es ist das Ganze, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Im Kollektiv geht es ums Teilen und Tauschen, Mit-teilen und Aus-tauschen. Vom Stammes-Attribut der Unterstützung unterscheidet sich das Teilen darin, dass es auf gleichberechtigter Basis, auf Augenhöhe, und freiwillig geschieht und dass es nicht zwingend eine Gegenleistung nach sich zieht, denn sonst wäre es ja nicht freiwillig. Wenn man von einem Stammesmenschen ein Geschenk erhält, so sollte man sich bei passender Gelegenheit besser revanchieren. Egal, was er sagt - im Stamm wird immer eine gleichwertige Gegenleistung erwartet, und schon ist man unfreiwillig in der Pflicht. Der kollektive Mensch gibt aus seiner inneren Fülle, ohne dafür etwas zu erwarten, und nimmt in Würde, ohne sich zum Geben verpflichtet zu fühlen. Letztlich geht es auch hier wieder um ein WIR, allerdings ein höheres Wir, das das Ich nicht mehr unterdrückt, weil es ohne Ich gar nicht denkbar wäre.
Irgendwie klingt das alles noch ziemlich utopisch. Vielleicht liegt es daran, dass wir in der Menschheitsentwicklung noch nicht beim Kollektiv angelangt sind. Wir haben gerade den Stamm überwunden und stecken derzeit mitten in der Individualisierung, zu sehen u.a. am Untergang der Großfamilien und der Familie als "Keimzelle der Gesellschaft", dem Bedeutungsverlust der Institution Kirche, dem explodierenden Egoismus (wenn mich überhaupt etwas an der Werbung fasziniert, so ist es ihre Rolle als Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen!) und seiner "Spaßgesellschaft". Egoismus im Sinne von Ich-Bezogenheit ist ein ganz natürlicher Kompensationsmechanismus auf die jahrtausendelange Verleugnung des Ich: Das Pendel muss erst genauso weit nach der anderen Seite ausschwingen, bevor es sich allmählich "einpendelt".
Die Schaltkreisgruppe des Kollektivs besteht aus
dem Schaltkreis der Abstraktion mit den Kanälen
64/47 (Kopf-Ajna) - Abstraktes Denken, ein Design der geistigen Aktivität und Klarheit
11/56 (Ajna-Kehle) - Neugier, ein Design des Suchers
33/13 (Kehle-Selbst) - Der verlorene Sohn, ein Design des Zeugen
46/29 (Selbst-Sakral) - Entdeckung, ein Design, Erfolg zu haben, wo andere versagen
42/53 (Sakral-Wurzel) - Reifung, ein Design der zyklischen Entwicklung
41/30 (Wurzel-Solarplexus) - Erkennen, ein Design der gebündelten Energie
36/35 (Solarplexus-Kehle) - Vielseitigkeit, ein Design des Hans-Dampf-in-allen-Gassen
dem Schaltkreis der Logik mit den Kanälen
63/4 (Kopf-Ajna) - Logisches Denken, ein Design der geistigen Leichtigkeit mit Zweifeln
17/62 (Ajna-Kehle) - Akzeptanz, ein Design der Nachfolge
31/7 (Kehle-Selbst) - Dominanz, ein Design der Führerschaft
15/5 (Selbst-Sakral) - Rhythmus, ein Design des Mitschwingens
9/52 (Sakral-Wurzel) - Konzentration, ein Design gerichteter Aufmerksamkeit
58/18 (Wurzel-Milz) - Urteil, ein Design der Unzufriedenheit
48/16 (Milz-Kehle) - Wellenlänge, ein Design des Talents
Das Besondere am Kollektiv ist, wie man sich schon denken kann, das Fehlen des Stammes-Ego. "Selbstlosigkeit" ist allerdings ein irreführender Begriff; das, was damit umgangssprachlich gemeint ist, müsste eigentlich "Ichlosigkeit" oder eben "Egolosigkeit" heißen. Bei der Abstraktion geht es um Erfahrungen und bei der Logik um Vorstellungen. Erfahrungen beziehen sich immer auf die Vergangenheit, die hier bewahrt und gedeutet wird (Erinnerung, Geschichte, Literatur usw.), während Vorstellungen sich immer auf die Zukunft beziehen, die hier geplant wird (Prognose, Technik, Informatik usw.).

© Angela Nowicki, 11. September 2011

Samstag, 3. September 2011

HD: Die Schaltkreise, Teil 1

Die neun Zentren in der Körpergrafik des Human Design sind durch insgesamt 36 Kanäle miteinander verbunden, durch die die Lebenskraft fließt, geprägt und modifiziert wird. Diese 36 Kanäle werden in drei Schaltkreisgruppen eingeteilt, die aus jeweils zwei Schaltkreisen bestehen. Eine Ausnahme bilden die vier Integrationskanäle, die keiner Schaltkreisgruppe zugeordnet werden. Die Kanäle werden nach den beiden Toren benannt, die sie miteinander verbinden: Kanal 1/8 z.B. verbindet Tor 1 im G-Zentrum mit Tor 8 im Kehlzentrum.

Jedem Element im Human Design ist außerdem ein Schlüsselwort zugeordnet, dass dessen Funktion prägnant umreißt und beim Studium hilft, sich alle Elemente thematisch gut einzuprägen. Auch bei der Deutung ist die Arbeit mit Schlüsselworten äußerst hilfreich. Bevor ich die Schaltkreise vorstelle, hier noch einmal im Überblick die Schlüsselworte für die Zentren, über die ich ja bereits ausführlich geschrieben habe:

  • Wurzelzentrum: Motor & Druckzentrum – existenzieller Druck, Trieb, Stress
  • Sakralzentrum: Motor – Lebenskraft, Energie, Ausdauer, Sexualität
  • Milzzentrum: Wahrnehmungszentrum – Instinkt, Intuition, Geschmack, Gehör, Geruch
  • Solarplexuszentrum: Motor & Wahrnehmungszentrum – Emotionen, Gefühle, Stimmungen, Sehnsüchte
  • Herzzentrum: Motor – Willenskraft, Ego, Selbstwertgefühl
  • G-Zentrum: Kompass – Selbst, Identität, Richtung, Liebe
  • Kehlzentrum: Ausdrucks- & Steuerzentrale – Kommunikation, Manifestation
  • Ajnazentrum: Wahrnehmungszentrum – Denken, Begriffsbildung
  • Kopfzentrum: Druckzentrum – geistiger Druck, Inspiration
Ajna- und Kopfzentrum bilden zusammen den Verstand.

Die drei Schaltkreisgruppen und ihre Schlüsselworte sind
  • die Schaltkreisgruppe des Stammes: gegenseitige Unterstützung
  • die Schaltkreisgruppe des Individuums: Bestärkung anderer
  • die Schaltkreisgruppe des Kollektivs: Teilen
  • Bei den Integrationskanälen geht es um die Selbstbestärkung.

DIE INTEGRATIONSKANÄLE

Für mich ist dies eine Art evolutionärer Pyramide: Ganz unten steht der Einzelkämpfer, das unbewusste ICH, das sich in noch keine Gruppe integriert hat, sondern allein um sein persönliches Überleben kämpft: das Raubtier, der Jäger. Hier regiert der bloße Instinkt: "Fressen und gefressen werden". Die Integrationskanäle kennen noch keinerlei humanitäre Rücksichten: "Jeder ist sich selbst der Nächste." Deshalb geht es hier ausschließlich um Selbstbestärkung. Wer einen definierten Integrationskanal hat, trägt eine stark ausgeprägte Selbstbezogenheit in sich – und genau das ist richtig für diesen Menschen! Natürlich modifizieren die übrigen definierten Kanäle und aktivierten Tore das Ganze noch sehr, aber hier, in den Integrationskanälen, hat der Mensch nicht nur die Veranlagung, sondern auch die Aufgabe, sich ausschließlich um sich selbst und sein Fortkommen zu kümmern. Zu dieser kleinen, archaischen Gruppe gehören die Kanäle
  • 20/10 (Kehle-Selbst) - Erwachen, ein Design der Verpflichtung an höhere Prinzipien
  • 20/34 (Kehle-Sakral) - Charisma, ein Design, wo Gedanken zu Taten werden müssen
  • 10/57 (Selbst-Milz) - Die vollendete Form, ein Design des Überlebens
  • 34/57 (Sakral-Milz) - Macht, ein Design des Archetyps
Interessant an den Integrationskanälen ist, dass sie nur vier Zentren miteinander verbinden. Der Einzelkämpfer hat keine Emotionen, kein Ego und keinen Verstand. Wenn man Ego als Sicherheitsstreben definiert, ist das noch einleuchtend; was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist, wo der existenzielle Druck bleibt, der Kampf-, Flucht- oder Totstellreflex (Wurzel), für mich eigentlich der Inbegriff der animalischen Ebene, der diese Integrationskanäle ja zugeordnet werden. Es sei denn, ich habe hier etwas gründlich falsch verstanden. Was ich aber wieder verstehe, ist die einzige Stimme, die der Einzelkämpfer hat, und die sagt schlicht: "Ich bin." (Tor 20 im Kehlzentrum, Die Betrachtung, der Anblick) Außerdem ist dies die einzige Kanalgruppe in der Körpergrafik, die vier Tore gleichzeitig miteinander verbindet, was die Undifferenziertheit symbolisieren könnte, die hier noch herrscht.

DIE SCHALTKREISGRUPPE DES STAMMES

Irgendwann bemerkt der Einzelkämpfer, dass es viel leichter ist, in einer Gruppe zu überleben. Er schließt sich mit anderen zum Stamm (Sippe, Familie, Gemeinschaft) zusammen: das Herdentier, der Sammler. Im Stamm identifiziert sich jeder mit einem noch weitgehend unbewusst gestalteten WIR, nämlich dem Wir seiner Stammesgruppe. Das gemeinsame Interesse des Stammes ist das Überleben der Art und des Ego, das am effektivsten durch den Zusammenschluss in der Herde abgesichert werden kann. Der Stamm steht und fällt mit der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe nach dem Motto: "Eine Hand wäscht die andere." "Wie du mir, so ich dir." (oder auch: "Auge um Auge, Zahn um Zahn.") Individualität bedroht grundsätzlich den Erhalt dieses Gemeinwohls und wird deshalb ausgegrenzt oder sogar bekämpft.

Die Schaltkreisgruppe des Stammes besteht aus
- dem Schaltkreis des Ego mit den Kanälen
  • 54/32 (Wurzel-Milz) – Umwandlung, ein Design des Getriebenseins
  • 44/26 (Milz-Herz) – Hingabe, ein Design des Unternehmers und Vermittlers
  • 19/49 (Wurzel-Solarplexus) - Synthese, ein Design der Feinfühligkeit
  • 37/40 (Solarplexus-Herz) - Gemeinschaft, ein Design des Teils, der ein Ganzes sucht
  • 21/45 (Herz-Kehle) - Geld, ein Design des Materialisten
- dem Schaltkreis des Schutzes mit den Kanälen
  • 6/59 (Solarplexus-Sakral) - Paarung, ein Design der Fruchtbarkeit
  • 27/50 (Sakral-Milz) - Erhaltung, ein Design der Pflege

Interessant am Schaltkreis des Stammes ist, dass er kein Selbst und keinen Verstand hat: G-, Ajna- und Kopfzentrum sind nicht mit einbezogen. Und er hat nur einen Kanal, der ins Kehlzentrum einmündet, d.h. der Stamm hat nur eine Artikulations- und Manifestationsmöglichkeit, und die lautet: "Ich habe." (Tor 45 Die Sammlung). Beim Ego dreht sich letztlich alles um den materiellen Besitz, der das Überleben absichern soll, und bei der Erhaltung dreht sich alles um Fortpflanzung und Brutpflege, die der Erhaltung der Art dienen.

© Angela Nowicki, 3. September 2011

Montag, 29. August 2011

HD: Die Zentren - Das Solarplexuszentrum

Das SOLARPLEXUSZENTRUM wird auch Emotionszentrum genannt, denn hier ist der Sitz der Gefühle. Es nimmt unter den Zentren eine Sonderstellung ein. Zum einen, weil es eine Doppelfunktion hat: Es ist sowohl ein Motor, wie das Wurzel-, das Sakral- und das Herzzentrum, als auch ein Wahrnehmungszentrum, wie Milz und Verstand. Eine Sonderstellung nehmen auch Kehl- und G-Zentrum ein: Die Kehle ist der Knotenpunkt, die Schaltzentrale, an der alle Energien von innen nach außen drängen, um sich zu manifestieren. Und das G-Zentrum ist unsere innere Führung und gehört damit keiner Gruppe von Zentren an (Druck, Wahrnehmung, Motor), sondern ist einfach nur für unser SEIN zuständig.

Das Emotionszentrum wiederum hat durch seine Doppelfunktion mit den meisten Zentren etwas gemeinsam. Seine Sonderstellung basiert darauf, dass es das Energiezentrum ist, in dem die Mutation der Menschheit vom sieben- zum neunzentrigen Wesen stattfindet, die bald abgeschlossen sein wird.
Noch vor wenigen Jahrhunderten war das Emotionszentrum ein reiner Motor; der Mensch wurde sozusagen blind von seinen Emotionen getrieben, wie ein kleines Kind. Es genügt, ein paar gute historische oder historisch unterlegte Romane aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert zu lesen, um das vollauf bestätigt zu finden. Ein Buch, das ich besonders empfehlen möchte, ist Der Rote Löwe von Mária Szepes. Wenn man leidlich sensibel ist und versucht, sich in die Dramen jener vergangenen Zeiten hineinzuversetzen, hält man die emotionale Intensität und Zwanghaftigkeit als Mensch der Neuzeit nur schwer aus. Der Grund dafür ist nicht etwa unsere scheinbar höhere intellektuelle Intelligenz! Jedenfalls nicht an erster Stelle. Es ist die Tatsache, dass unser Solarplexus seitdem eine emotionale Wahrnehmung entwickelt hat und damit mehr und mehr fähig wurde, sich emotional in seine Umwelt hineinzuversetzen, Mitgefühl und Sensibilität zu entwickeln. Das ist die Intelligenz des Emotionszentrums: die emotionale Intelligenz.

Gefühle haben grundsätzlich einen Wellencharakter, und die emotionale Welle bewegt sich in einem steten Auf und Ab, zwischen Hoch und Tief, Ekstase und Verzweiflung, Freude und Schmerz. Es gibt drei verschiedene Wellenformen, die den einzelnen Toren des Emotionszentrums zugeordnet werden. Da diese emotionale Welle aber ein Naturgesetz repräsentiert, also nie aufhören kann, sich zwischen zwei Polen zu bewegen, kennt sie keine Wahrheit im Augenblick. Ein Gefühl steht in jedem Augenblick immer an einem bestimmten Punkt innerhalb seiner Welle, der im nächsten Moment schon nicht mehr wahr ist, weil die Welle sich weiterbewegt hat. Jeder Mensch mit einem definierten Emotionszentrum weiß das nur zu gut: Was ihn heute begeistert, interessiert ihn in einer Woche vielleicht gar nicht mehr; Beziehungen oszillieren zwischen Liebe und Hass – wo liegt die Wahrheit? Es gibt keine.
Im Emotionszentrum gibt es keine Wahrheit, sondern Klarheit. Und die findet sich erst im Nachhinein, manchmal Tage, Wochen oder sogar Monate später, je nach Frequenz der jeweiligen Welle, wenn das Gefühl die ganze Welle durchlaufen hat. Dann kristallisiert sich heraus, was man gegenüber einer Sache, einem Vorhaben oder einem Menschen wirklich fühlt.

Wer ein definiertes Emotionszentrum hat, hat immer eine emotionale Autorität, ganz egal, welche Zentren sonst noch definiert sind. Auch dies ist ein Ausdruck der Sonderstellung dieses Zentrums und seiner Bedeutung für unsere Entwicklung, die zu emotionaler Weisheit hin strebt. Definierte Emotionszentren sind ihrer emotionalen Welle ausgeliefert, sie ist ein fester Bestandteil ihres Seins, den sie nie los werden. Dazu gehören auch die emotionalen Ängste, die sich immer durch Nervosität bemerkbar machen. Für diese Menschen beruht die Weisheit, die sie erreichen können, auf ihrer emotionalen Tiefe und Klarheit. Dazu jedoch müssen sie erst den Durchlauf ihrer Welle abwarten, bevor sie eine Entscheidung oder ein Urteil treffen. Spontaneität kann hier fatale Folgen haben, es sei denn, die Person hat zusätzlich noch ein definiertes Milzzentrum UND es handelt sich um eine unwesentliche Entscheidung.
Ein emotionaler Generator muss der geduldigste Mensch auf Erden sein, denn er muss nicht nur abwarten, um reagieren zu können, sondern noch zusätzlich zu emotionaler Klarheit gelangen, bevor er sich auf etwas Wichtigeres einlässt. Er hat schon lange genug auf eine Gelegenheit gewartet, endlich ist sie da, und sein Sakralzentrum kann endlich grünes Licht geben: "Hmmm! Darauf habe ich jetzt richtig Lust!" Es schickt ihm einen ordentlichen Energieschub – und er darf noch immer nicht loslegen! "Stopp!" sagt seine emotionale Intelligenz gnadenlos. "Jetzt bist du begeistert – aber was ist morgen? Erst mal drüber schlafen, mein Lieber!" Und wenn er nur einmal drüber schlafen muss, hat er richtig Glück gehabt.

Wenn es darum geht, etwas in Angriff zu nehmen, mag es schon schwer sein, so viel Geduld aufzubringen. Manchmal geht es aber auch um die Einschätzung eines Ereignisses. Angenommen, ein anderer Mensch hat dich verletzt. Nun sind emotionale Autoritäten in ihrer Wahrnehmung nicht die Schnellsten. Nur die Milzwahrnehmung funktioniert im Augenblick. Die intellektuelle Wahrnehmung ist von der Zeit unabhängig, aber die emotionale Wahrnehmung funktioniert nur im Nachhinein: Wahrgenommen werden kann hier immer nur die Vergangenheit. So passiert es oft, dass ein solcher Mensch verletzt wird und gar nichts davon merkt. Er lacht vielleicht darüber wie über einen guten Witz. Erst am nächsten Tag überfällt ihn plötzlich die volle Breitseite: "Was hat der da gesagt?! Das ist ja eine Unverschämtheit!" Einen Tag lang bohrt jetzt die Verzweiflung oder die Wut in ihm, einen Tag lang würde er das A... am liebsten erwürgen.
Wenn er sich jetzt hinsetzt und dem A... eine gepfefferte Mail schreibt, wird er das aber mit großer Wahrscheinlichkeit bald bitter bereuen!
Denn schon am zweiten Tag schlägt seine emotionale Welle zum Gegenpol um, und der andere tut ihm auf einmal schrecklich leid, er hatte ja Recht, er wollte ihm doch nur helfen, er selber ist das A... und möchte nun am liebsten sich dafür erwürgen, dass er gestern den anderen erwürgen wollte!
Wenn er sich jetzt hinsetzt und dem A... eine reuige Mail schreibt, wie Recht er doch mit seiner Kritik hatte und wie dumm es doch von ihm selbst war, darüber zu lachen, wird er das ebenfalls bald bereuen!
Erst am dritten Tag – ganz unversehens – sind sowohl Wut als auch Reue verschwunden, und unser Emotionssurfer steht geläutert am Strand, blickt auf die Wellen hinaus und weiß auf einmal klar und deutlich, was da wirklich gelaufen ist. Er fühlt die verborgenen Motivationen des anderen und parallel dazu seine eigenen und weiß jetzt, was er bereit ist, an Kritik einzustecken und was nicht und welche Art der Kommunikation für ihn die richtige ist.
"Drei Tage" ist hier nur ein Beispiel; wie lange ein Wellendurchlauf dauert, kann niemand sagen, das ist von der Welle selbst, von der Situation, auf die sie sich bezieht, und von der Person abhängig.

Allen emotionalen Autoritäten sei daher ans Herz gelegt: Reagiere nie aus einem Impuls heraus! Als emotionaler Generator weiß ich, wovon ich spreche.

Aus dem Nicht-Selbst leben Menschen mit definiertem Solarplexus, wenn sie
- Entscheidungen mit dem Verstand treffen (das betrifft natürlich alle Menschen, nicht nur emotionale),
- ihre Gefühle ignorieren oder rationalisieren,
- versuchen, spontan oder impulsiv zu leben und zu reagieren,
- ihre eigenen Gefühle unterdrücken und sich von den Gefühlen anderer "anstecken" lassen. (Um gar nicht konditionierbar zu sein, müsste ein Zentrum alle seine Tore aktiviert haben.)

Ein undefiniertes Solarplexuszentrum ist normalerweise, solange es für sich allein und bei sich ist, ruhig und gelassen. Interessanterweise halten diese Menschen sich selbst oft für die emotionalsten Wesen überhaupt, und sie wirken auch auf andere so! Es erfordert eine lange und aufmerksame Selbstbeobachtung, um herauszufinden, dass es immer die Gegenwart oder der Einfluss anderer ist, der sie zur Drama-Queen mutieren lässt. Mit ihrem offenen Zentrum nehmen sie ständig fremde Gefühle auf und verstärken sie, bis sie davon explodieren. Und der Irrtum liegt dann nur darin, dass sie sie für ihre eigenen Gefühle halten. Ihr Emotionszentrum ist allerdings nicht für solche steten und intensiven Gefühlswellen ausgelegt. Alle stärkeren Emotionen – Konflikte, Wut, Trauer, Begeisterung, Aggressionen – greifen diese Menschen viel stärker an als solche mit definiertem Solarplexus. Sie reagieren darauf, indem sie alles versuchen, um starken Gefühlen aus dem Weg zu gehen und Konflikte zu vermeiden.
Ihre große Stärke ist ihre Empathie. Wie ein undefiniertes Ajna die Gedanken anderer "lesen" kann und eine undefinierte Milz instinktiv spürt, wie es dem anderen geht, so kann ein undefiniertes Emotionszentrum die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und sich ganz leicht in sie einfühlen. Darin liegt ihre potenzielle Weisheit, die sie erreichen können, wenn sie erkennen, dass es fremde Gefühle sind, und sich selbst davon distanzieren.

Ich schätze, Buddha hatte ein undefiniertes Solarplexuszentrum, denn es ist der Buddhismus, der alle Gefühle als krank machend bewertet - ja, auch Freude! - und Erlösung durch Loslösung und Leerwerden sucht. In der Tat ist das ein erstrebenswertes Ziel – aber nur für undefinierte Emotionszentren. Einem definierten Solarplexus dürfte es schwer fallen, das überhaupt zu verstehen, doch selbst wenn – er braucht es gar nicht erst zu versuchen, denn er kann aus seiner emotionalen Welle nicht raus. Für ihn liegt die Erlösung in der Akzeptanz seiner Emotionen, in der Erkenntnis seiner emotionalen Tiefe und im Bewusstsein, dass kein einzelnes seiner Gefühle jemals die Wahrheit ist, alle zusammen aber eine wunderbare Klarheit ergeben können.

Auf der körperlichen Ebene sind dem Solarplexuszentrum übrigens eine ganze Reihe von Organen und Drüsen zugeordnet: zunächst einmal verständlicherweise das gesamte Nervensystem, von dem der Solarplexus, das "Sonnengeflecht", ja ein Teil ist, des Weiteren die Nieren ("Das geht mir an die Nieren!"), die Bauchspeicheldrüse, ein zentrales Verdauungsorgan ("Das muss ich jetzt erst einmal verdauen!"), die Prostata und die Lunge.
Nieren und Lunge dienen beide der Reinigung unseres Körpers von unverwertbaren Stoffwechselprodukten. Ebenso muss es eine emotionale Hygiene geben: Emotionen werden verdaut, und was dann an nicht Verwertbarem übrig bleibt, muss ausgeschieden werden (loslassen!). Wenn wir diese Hygiene vernachlässigen, so dass sich zu viel unverdaute Gefühle in der Psyche anzustauen beginnen, erinnert unser Unbewusstes uns an diese Notwendigkeit mit den berüchtigten "Toiletten-Träumen"! Und eine der besten Methoden, negative Emotionen zu bereinigen, ist eine Atemkorrektur: Bauchatmung üben! Aus eigener Erfahrung kann ich die segensreichen Wirkungen der Atemübungen des Kriya Yoga empfehlen, das Pranayama. Für Anfänger eignen sich die Wechselatmung und die Vollatmung am besten.

© Angela Nowicki, 29. August 2011

Donnerstag, 25. August 2011

HD: Die Zentren - Das Wurzelzentrum

Das WURZELZENTRUM ist ein Motor, der ursprünglichste Motor, den alle Lebewesen haben: Es ist der Überlebenstrieb. Ebenso, wie die Krone, ist auch die Wurzel ein Druckzentrum, nur dass dort geistiger Druck "von oben" drückt und hier existenzieller, hormonell gesteuerter Druck "von unten". Wir leben in einem Druck-Sandwich.
Die Hormone, die dem Wurzelzentrum zugeordnet werden, sind die Stresshormone der Nebennieren, allen voran das Adrenalin. Der ursprüngliche Zustand der Wurzel ist die Ruhe (Tor 52 Das Stillehalten, der Berg) und ist die Lebendigkeit (Tor 58 Das Heitere, der See). Im Schlaraffenland würden wir unter Bäumen liegen und uns die gebratenen Würste in die offenen Mäuler plumpsen lassen, aus nie versiegenden Bächen Milch und Honig schlürfen und zufrieden in die Sonne grinsen, und das wäre so ganz nach dem Geschmack unseres Wurzelzentrums. Leider aber haben unser Verstand und unser Wille die arme Wurzel aus dem Paradies in die Welt des Schweißes im Angesicht verschleppt*), und nun melden die Rezeptoren der Milz der Wurzel Gefahr im Verzug: Fressfeinde. Hunger. Eiszeit. Wurzel an Nebennieren: Adrenalinausstoß vorbereiten! Und je nach Situation und eigener Kondition gibt es dann eigentlich nur noch drei Grundreaktionen: Kampf – Flucht – Totstellreflex.

Das ist die Domäne des Wurzelzentrums.

Da in Europa Mitte-Nord Eiszeiten aber per Fernheizung und wärmegedämmten High-Tech-Häusern ihren Schrecken verloren haben, Fressfeinde in menschlichen Ansiedlungen selten geworden sind und Hunger für die meisten Menschen mit dem wahlweisen Griff zum Portemonnaie oder in den Kühlschrank abgegessen ist, hat unser Wurzelzentrum heute kaum noch etwas zu tun. Es könnte sich nun recht eigentlich freuen und es sich ordentlich gemütlich machen, aber das kann es bei den allermeisten Menschen gar nicht mehr, zu fern ist Eden schon. Unsere Nebennieren produzieren weiterhin Adrenalin, als gälte es, Bären zu bekämpfen – nur, wohin mit dem ganzen Zeugs? Wie sagte meine weise Oma immer: Wer keine Arbeit hat, macht sich welche? Der Mensch sucht sich eben den Stress, den er braucht: produziert galaktische Mengen an Dingen, die kein Mensch braucht (und die er denen, die sie dringend brauchen, stiehlt und vorenthält), beutet andere aus und lässt sich ausbeuten (besonders Clevere, wie ich, beuten sich sogar selbst aus), hetzt von einem Termin zum nächsten, probt das Raubtierdasein bei 200 kmh auf der Autobahn, tobt durch Fitnesszentren und Überschall-Discos, und am Ende hat er den Salat, und wenn’s nur ein Burnout war, hat er noch einen Heidendusel gehabt. Dann hat die arme Wurzel wenigstens ihre Ruhe. Ein paar besonders resistente Junkies machen sogar dann noch weiter und vermarkten ihre Pleite: "Wie ich den Burnout überwand".

Wie sagte eine liebe Freundin von mir so treffend? "Man kann auch mit der eigenen Leiche hausieren gehen."

Aber wir sind abgeschwiffen, wie ein anderer lieber Bekannter von mir zu sagen pflegt. Eigentlich wollte ich doch ganz ruhig und heiter erklären, worin sich eine definierte von einer undefinierten Wurzel unterscheidet. Wenn man die Funktionsweise der Definition einmal verstanden hat, müsste das im Grunde ganz logisch sein:

Die definierte Wurzel macht sich natürlich ihren eigenen Druck (das sind die Ausbeuter und Selbstausbeuter). Sie ist relativ immun gegen fremden Druck, und wenn sie stressanfällig ist, kommt das fast immer aus einem immanenten Bedürfnis. Und den Stress, den sie sich macht, verarbeitet sie auf eine festgelegte und beständige Weise. Eine definierte Wurzel kippt nicht so leicht aus den Latschen, da muss schon viel passieren. Ich habe mich im Leben schon oft gefragt, wieso ich nicht einfach mal umkippe, wenn mir’s zu viel wird. Andere wurden krank – ich musste krank feiern.
Wenn sie aus ihrem Nicht-Selbst lebt, setzt sie mit Vorliebe andere unter Druck und verhält sich unnachgiebig gegenüber denen, die mit Stress nicht so gut umgehen können oder die schlicht überfordert sind. Das sind die Chefs, die selber schuld gewesen sind, wenn ich krank feiern musste.

Die undefinierte Wurzel wiederum ist offen für jede Art von Druck und nicht selten sogar süchtig nach dem Adrenalin-Kick, den ihr andere bescheren müssen, weil sie keinen beständig arbeitenden Stressmechanismus hat. Oder sie lässt sich, wenn sie aus ihrem Nicht-Selbst lebt, von anderen derart mit Arbeit zuballern, dass sie nur noch arbeitet und arbeitet, um den Stress endlich loszuwerden. Wie? Natürlich unter Stress, die Natur liebt Ironie.
Es ist kein Problem, sich unter Druck setzen zu lassen, solange man sich damit wohl fühlt. Wie jeder weiß, gibt es Disstress und Eustress, und die Wurzel braucht neben der Ruhe eben auch Lebendigkeit. Hier muss nun wieder die innere Autorität auf den Plan treten, denn nur sie kann zuverlässig entscheiden, welcher Stress für ihren Besitzer Eu oder Dis ist.

Das Wurzelzentrum kann keine Autorität sein. Vielleicht ganz gut so.

*) Eine ungeheuer interessante Interpretation der Schöpfungsgeschichte, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Paradies anhand der Kabbalah findet sich bei Peter Gienow, Homöopathische Miasmen: Die Sykose. Philosophisch anspruchsvolle, aber über die Maßen lohnende Lektüre!

© Angela Nowicki, 25. August 2011

Sonntag, 21. August 2011

HD: Die Zentren - Das Milzzentrum

Drei der neun Zentren in der Körpergrafik sind Wahrnehmungszentren: Milzzentrum, Ajnazentrum und Solarplexuszentrum. Sie unterscheiden sich untereinander durch den zeitlichen Bezug der Wahrnehmungen.
Während das Ajnazentrum, also der Verstand, in seiner Wahrnehmung zeitunabhängig ist, denn wir können sowohl in die Vergangenheit (Erinnerungen) als auch in die Zukunft (Vorstellungen) denken und sogar eine augenblickliche Wahrheit "einfach wissen", ist die MILZWAHRNEHMUNG eine reine Augenblickswahrnehmung. Das ist unsere älteste Wahrnehmung, denn Emotionen haben nicht alle Tiere und einen Verstand vermutlich nur wenige, aber eine Milzwahrnehmung findet sich im gesamten Tierreich bis hin zu den Einzellern: Es ist der Instinkt.

Der Instinkt funktioniert nur im Jetzt, und er hat die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. Dabei handelt es sich nicht nur um das Überleben auf der makrozellulären Ebene, wo wir uns gegen sichtbare Fressfeinde, klimatische und Umweltbedingungen usw. zu wehren haben, sondern auch auf der mikrozellulären Ebene, denn die Bedrohung hört nicht beim Sichtbaren auf. Unser Körper wird permanent von Fremdorganismen attackiert, und wenn wir keine gut ausgebildete, organisierte und funktionierende "Armee" haben, sind wir in ein paar Tagen tot. Diese Armee ist natürlich unser Immunsystem, zu dem vor allem das Lymphsystem mit den Lymphozyten gehört, von denen die Antikörper produzierenden B-Zellen und die T-Lymphozyten, die so genannten "Killerzellen", die bekanntesten sind. Es liegt auf der Hand, dass dem Milzzentrum daher auf der körperlichen Ebene das Lymphsystem zugeordnet wird, ist die Milz als Körperorgan doch selbst Teil dieser Körperabwehr. Das Milzzentrum ist unser Gesundheits- und Wohlfühlzentrum. Darum kümmert es sich mithilfe der Instinkte, der Intuition und des Geschmacks.

Alle drei Wahrnehmungszentren sind auch Angstzentren, denn die Angst ist eine Reaktion auf wahrgenommene Bedrohungen. Jedem Tor innerhalb dieser Zentren ist daher eine spezifische Angst zugeordnet. In der Milz handelt es sich dabei um Überlebensängste im engeren und weiteren Sinn.

Wer eine definierte Milz hat, verfügt grundsätzlich über ein stabiles, gleichmäßig arbeitendes Immunsystem. Er ist zwar nicht von Haus aus gesünder als ein Mensch mit undefinierter Milz, aber er kann sich auf seine instinktive Wahrnehmung verlassen, die ihm immer augenblicklich mitteilt, was gesund und was schädlich für ihn ist. Er verfügt über einen verlässlichen "Wohlfühlmechanismus" und hat eine festgelegte Art, seine Überlebensängste zu verarbeiten. Aufgrund dessen kann er auch anderen Menschen Wohlgefühl vermitteln.

Die Milzautorität

Wenn Solarplexus und Sakralzentrum undefiniert sind, ist die definierte Milz die innere Autorität. Um die für sie besten Entscheidungen zu treffen, müssen diese Menschen sich auf ihre Milzwahrnehmung verlassen, die ihnen blitzschnell über Geschmackseindrücke, die akustisch arbeitende Intuition oder den über Geruchswahrnehmungen funktionierenden Instinkt signalisiert, was jetzt im Augenblick das Gesündeste für sie ist. Hier geht es weder um den Willen noch um die innere Führung noch um einen eingebauten Energiestandsanzeiger, wie bei der sakralen Autorität, und gleich gar nicht um Emotionen, sondern um ein leises Stimmchen, das sich nie wiederholt. Im Lärm unserer Welt oder in der Konditionierung auf unseren Verstand ist diese feine Ahnung (ein Kribbeln, eine diffuse Angst, ein unangenehmer Geruch) sehr leicht zu überhören – und dann ist die Gelegenheit vorüber, denn die Milz kann nicht mehrmals zum gleichen Thema "anschlagen", weil sie sonst nicht mehr in jedem Moment wachsam sein könnte.
Die Milzautorität ist eine spontane Autorität. Für diese Menschen ist es gesund und notwendig, spontan zu sein. Da die Milzwahrnehmung aber so feinsinnig ist, kann sie leicht von den viel kräftigeren Eindrücken der beiden anderen Wahrnehmungszentren – Verstand und Emotionen – übertönt werden. Für einen Menschen mit Milzautorität ist es daher sehr wichtig, sehr aufmerksam auf diese diffusen Signale aus seinem Körper zu achten und ihnen zu vertrauen.

Wenn du eine Milzautorität hast, lernst du vielleicht einen fremden Menschen kennen und spürst kurzzeitig ein leises Unbehagen. Es bleibt dir unerklärlich, denn der andere ist freundlich, entgegenkommend, witzig – dein Verstand sieht keinen Grund, ihm zu misstrauen, und deine Emotionen sind durchaus angetan von ihm. Woher also kommt das Unbehagen? "Ach was, Einbildung!" sagst du dir vielleicht.
Tage oder Wochen später aber fluchst du: "Verdammt, hätte ich doch meinem inneren Scheißemelder vertraut!" Der andere muss sich ja nicht gleich als Krimineller entpuppt haben, wobei natürlich auch das möglich ist; es reicht schon, dass sich allem Anschein zum Trotz herausgestellt hat, dass dieser Mensch nicht gut für dich ist, dich in deiner Entwicklung behindert, deine Energie absaugt, dich ausnutzt oder hinterhältig verletzt.
Ja, die Milz ist dein innerer "Scheißemelder", dein Alarm, wenn auch ein sehr leiser, kurzer und fast immer völlig irrationaler. Als Milzautorität schule dein Gehör und vertraue ihm bedingungslos!

Irrational kann es zum Beispiel werden, wenn der Geschmack anschlägt. "Über Geschmack lässt sich nicht streiten", heißt es. Mag sein, aber wenn du eine definierte Milz mit aktivierten "Geschmackstoren" (Tor 18 und Tor 48) hast, solltest du deinen Geschmack wenigstens ernst nehmen. Und jemand, der sich für dein Empfinden so "geschmacklos" kleidet, dass es dir Unbehagen verursacht, mit ihm persönlich zu tun zu haben, ist mit ziemlicher Sicherheit "nicht gut für dich". Das sagt natürlich überhaupt nichts über den Charakter dieses Menschen aus! Es kann ein wirklich feiner Mensch sein, und trotzdem ist er nicht gut für dich, ähnlich wie bestimmte Bakterien nicht gut für deinen Körper sind und vom Immunsystem abgewehrt werden müssen, obgleich sie für andere Organismen sehr nützlich sein können (und ganz ohne Relationen ein Wunder der Schöpfung sind wie wir alle). In meiner Jugend war es in bestimmten Kreisen "in", den Standpunkt zu vertreten: "Es kommt nicht aufs Äußere eines Menschen an." Für eine über diese Tore definierte Milz aber schon.

Eine undefinierte Milz ist offen für diffuse Ängste, die sie von außen aufschnappt. Sie hat keinen verlässlichen inneren Alarm, daher kann Spontaneität im Extremfall sogar tödlich für sie sein. Und ihr fehlt der beständige innere "Wohlfühlmechanismus", weil ihr Immunsystem ungleichmäßig arbeitet. Diese Leute laufen Gefahr, sich an Menschen mit einer definierten Milz zu klammern und sich von ihnen abhängig zu machen, weil die ihnen eben dieses Wohlgefühl vermitteln. Um in ihrem Selbst zu bleiben, müssen sie zweitens ihr naturgegeben schwankendes Wohlgefühl akzeptieren lernen und erstens und letztens – was sonst? – ihrer eigenen inneren Autorität folgen.

© Angela Nowicki, 21. August 2011

Dienstag, 16. August 2011

HD: Das Sakralzentrum und die inneren Autoritäten

Das SAKRALZENTRUM ist ein mächtiger Energiewirbel, ein Generator, der alle eingehenden Impulse und eingespeisten Energien verarbeitet, in die benötigte Energieart umwandelt und diesen "Strom" zur Nutzung bereit stellt. Als einer der vier Motoren in der Körpergrafik ist es das Zentrum der Lebenskraft, der Sexualität, der Fruchtbarkeit und der Ausdauer. Folgerichtig sind diesem Zentrum auf der körperlichen Ebene die Fortpflanzungsorgane zugeordnet und von den Hormondrüsen die Eierstöcke und die Hoden.

Das definierte Sakralzentrum hat etwas ganz Besonderes: eine Stimme. Es ist die berühmte "Bauchstimme", die den Generator leitet – der natürlich seinen Namen von seinem definierten Sakralzentrum erhalten hat, denn bei wem dieses Zentrum definiert ist, der ist immer ein Generator. Für diese Menschen ist es von zentraler Bedeutung, geduldig warten zu lernen, bis ihnen etwas entgegenkommt, worauf sie reagieren können. Das Sakralzentrum ist kein aktives, sondern ein reaktives Zentrum! Die Bauchstimme antwortet mit einem spürbaren und spontanen "Hmmm!" für ja oder "Ä-ä!" für nein, das sich auch als Gefühl des Hingezogen- oder Abgestoßenwerdens in Bezug auf die fragliche Angelegenheit äußern kann.

Hier berühren wir bereits die zweite Kategorie des Human Design. Die erste waren die bereits besprochenen Typen, die zweite ist die innere Autorität. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, hat jeder Mensch eine innere Instanz, die dafür ausgelegt ist, die für seine Entwicklung vorteilhaftesten Entscheidungen zu treffen. Ich habe auch schon dargelegt, warum dies niemals der Verstand sein kann. Es gibt insgesamt sechs verschiedene Autoritäten, und wer welche hat, hängt davon ab, welche Zentren in seiner Körpergrafik definiert bzw. nicht definiert sind.

1. Ist das Solarplexuszentrum definiert, haben immer die Emotionen die innere Autorität, ganz gleich, welche Zentren sonst noch definiert sind. Worauf die emotionale Autorität beruht, werde ich im Kapitel über das Solarplexuszentrum erklären.

2. Ist das Solarplexuszentrum undefiniert, aber das Sakralzentrum definiert, dann handelt es sich um eine sakrale Autorität, gleich welche Zentren sonst noch definiert sind. Das bedeutet: Ein Generator kann nur zwei Autoritäten haben – entweder er ist ein emotionaler oder ein sakraler Generator. Bei einem sakral gesteuerten Generator hat die innere Autorität die engste Beziehung zum Typ, d.h. hier trifft alles zu, was bereits über den Typ des Generators geschrieben wurde: Er muss, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, "warten – reagieren – handeln". Er muss warten, bis eine Entscheidung fällig wird, darauf seine Bauchstimme reagieren lassen, der er dann, wenn irgend möglich, in seiner Entscheidung folgen sollte.

3. Sind Solarplexus- und Sakralzentrum undefiniert, und ist das Milzzentrum definiert, dann handelt es sich um eine Milzautorität, die im Kapitel über das Milzzentrum besprochen werden wird. Auch hier spielt es keine Rolle, welche der restlichen Zentren sonst noch definiert sind.

4. Sind Solarplexus-, Sakral- und Milzzentrum undefiniert, und ist das Herzzentrum definiert, dann ist das eine Ego-Autorität. Dies ist die Autorität der Willenskraft. Hier geht es, im Gegensatz zum Selbst des G-Zentrums, um die materiellen, weltlichen Ziele des Ich oder Ego. Das Ego will die Kontrolle über die materielle Ebene des Seins haben, und dazu gehört sowohl eine funktionierende Gemeinschaft als auch der persönliche und gemeinschaftliche Besitz oder der persönliche Status innerhalb dieser Gemeinschaft: "Ich bin der Boss." "Das ist meine Familie / unser Haus." "Ich bin der Erste."
Im Hinblick auf die Autorität bedeutet das, dass ein solcher Mensch die Willenskraft haben muss, zu seinen Entscheidungen zu stehen und sie bis zum Erfolg oder Misserfolg durchzuziehen. Darüber darf man gar nicht diskutieren müssen. Dieser Mensch muss in der Lage sein, nachdrücklich und mit aufrichtiger Überzeugung zu sagen: "Das ist etwas für mich. Ich tue es." Die Ego-Autorität darf sich nicht auf Gefühle, Bauchstimmen oder Ahnungen verlassen, denn die dafür zuständigen Zentren sind bei ihr ja undefiniert und daher unzuverlässig. Die Entscheidungsgewalt liegt also bei einem unmissverständlichen: "Ich will." (Sturzhelm und Ellbogenschützer sind immer nützlich.)
Je nachdem, über welche Kanäle das Herzzentrum definiert ist, kann es sich um einen Manifestor oder einen Projektor handeln, deren jeweilige Strategie zusätzlich berücksichtigt werden muss. Der Manifestor hat es am einfachsten: Er braucht nur andere darüber zu informieren, was er sich vorgenommen hat, und kann gleich loslegen. Der Projektor hingegen muss auf Anerkennung und Einladung warten, bevor er seinen Willen durchsetzen kann.

5. Ist das G-Zentrum definiert, während alle Zentren darunter undefiniert sind, haben wir es mit einer Selbst-Autorität zu tun. Was über dem G-Zentrum definiert ist, spielt keine Rolle. Solch ein Mensch ist immer ein Projektor, da ja kein Motor mit der Kehle verbunden sein kann und auch das Sakral-Zentrum undefiniert sein muss. Die Selbst-Autorität ist im Grunde ein Autopilot. Diese Menschen müssen keine Entscheidungen aufgrund ihrer emotionalen Klarheit, ihrer Bauchstimme, ihrer Intuition oder ihres Willens treffen – sie müssen eigentlich überhaupt keine Entscheidungen treffen, denn sie haben nur eines zu tun: das, was sie tun. Im Selbstzentrum sitzt, wie wir wissen, der Magnetische Monopol, unser Chauffeur, der uns durchs Leben fährt. Wenn der auch noch die Entscheidungsgewalt hat, braucht der Fahrgast nicht einmal darüber nachzudenken, was er tun soll; er kann sich einfach zurücklehnen und sich "durchs Leben kutschieren lassen". Wenn die Entscheidung einer Selbst-Autorität in Frage gestellt wird, hat sie normalerweise eine Menge rationaler Rechtfertigungen dafür parat – aber Gedanken treffen schließlich keine Entscheidungen. Vielleicht hat sie sich aber auch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht und antwortet: "Ich weiß nicht, es war einfach das Richtige." Sehr dubios...
Das Mantra für einen Menschen mit Selbst-Autorität ist Shakespeares wundervoller Hamlet-Vers:

Dies über alles: Sei dir selber treu,
Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage,
Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.

6. Nun gibt es jedoch noch die seltenen Fälle, in denen keines der genannten Zentren definiert ist. Diese Menschen haben keine innere Autorität. Es kann sich hier nur um einen geistigen Projektor oder einen Reflektor handeln: Beim geistigen Projektor ist mindestens eines der drei Zentren über dem G-Zentrum (Kehl-, Ajna- und/oder Kopfzentrum) definiert, der Reflektor ist, wie bereits unter den Typen beschrieben, vollständig offen. Beide Typen haben aber in Bezug auf ihre Entscheidungsfindung die gleiche Strategie: Sie müssen einen Mondumlauf, also ungefähr 28 Tage lang, warten. Das mag in unserer schnelllebigen Zeit utopisch erscheinen, dieses Dilemma betrifft aber nicht nur Reflektoren; unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist der Feind des Selbst, daher bleibt es niemandem, der nach Selbsterfüllung strebt, erspart, seinen eigenen, fast immer dornenreichen Weg zu finden und zu gehen, indem er herausfindet, wo er Kompromisse eingehen muss, kann und will und wo er bereit ist, auf bestimmte Vorteile der materiellen Welt zu verzichten.
Wichtig ist es für diese Menschen auf jeden Fall, sich für jede größere Entscheidung so viel Zeit zu nehmen, wie nötig ist, und sich bewusst zu werden, dass alles, was schnellere Entscheidungen erfordert, einfach nichts für sie ist. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es sich dabei nicht selten schon um von Natur aus unentschlossene Menschen handelt. Wer mit ihnen essen geht, sollte sich am besten den ganzen Tag frei nehmen und sich vorher schon satt essen, sonst ist er verhungert, wenn sie sich endlich dazu durchgerungen haben, ihre Bestellung aufzugeben. Die Natur in ihrer unendlichen Weisheit sorgt offensichtlich schon von vornherein dafür, dass jeder die besten Voraussetzungen für ein Leben gemäß seiner Bestimmung mitbringt, eine Erfahrung, die ich bereits aus der Münchner Rhyhtmenlehre, der astrologischen Schule von Wolfgang Döbereiner, kenne.
In diesen – idealerweise – vier Wochen sollten diese Menschen so oft und so viel wie möglich mit anderen über die betreffende Angelegenheit sprechen und auch besonders darauf achten, was sie sich selbst sagen hören. Reflektoren und geistige Projektoren sind dazu veranlagt, ihre verschiedenen inneren Erfahrungen zu einem Ganzen zusammenzufassen und ihre Entscheidungen aus der Gestalt dieser Synthese heraus zu fällen.

Um auf das definierte Sakralzentrum zurückzukommen, bleibt zu sagen, dass diese Menschen – also Generatoren – wie Dampflokomotiven sind: Sie brauchen lange, um in Fahrt zu kommen (beim Manifestierenden Generator geht es allerdings schneller), aber wenn sie einmal auf Touren sind, sind sie nicht mehr aufzuhalten und haben einen unglaublich langen Bremsweg. Deshalb ist es für Generatoren so wichtig, mit jeder größeren Entscheidung lange genug zu warten und auch wirklich auf ihre Bauchstimme zu hören, damit sie sich nur auf Projekte und Beziehungen einlassen, die eine lustvolle Erfahrung für sie sind und bleiben. Denn für sie gilt: einmal drin – immer drin. Wenn sie etwas anfangen, müssen sie es bis zum Ende durchziehen, und Enden können auch bitter sein.
Lebt das definierte Sakralzentrum aus seinem Nichtselbst, dann wartet es nicht auf Resonanz ("Ich muss doch endlich etwas tun!"), verwickelt sich in die falschen Erfahrungen und bleibt am Ende erschöpft, frustriert und von anderen ausgenutzt auf der Strecke.

Das undefinierte Sakralzentrum steht nicht unter solchem Druck, produktiv zu sein, wie die Generatoren. Es kann viel leichter alle Fünfe grade sein und andere für sich arbeiten lassen, gerät daher auch nicht so leicht in Gefahr, sich ausnutzen zu lassen. Aber, wie alle undefinierten Zentren, entwickelt es natürlich auch einen starken Sog, der Konditionierungen anzieht.
Die Nichtselbst-Strategie des undefinierten Sakralzentrums ist daran zu erkennen, dass der Mensch sich von anderen (Generatoren, natürlich) mitreißen lässt, weil er meint, er müsse genauso produktiv und ausdauernd sein wie sie. Ein offenes Sakral hat aber gar keine eingebaute Bremse, daher wissen diese Menschen einfach nicht, wann sie aufhören müssen. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Total-Burnout.

Die richtige Strategie ist sowieso immer dieselbe, egal, ob definierte oder undefinierte Zentren: Halte dich an deinen Typ, folge deiner inneren Autorität und versuche nicht zu sein, was du nicht bist.

© Angela Nowicki, 16. August 2011

Sonntag, 14. August 2011

Mundtot machen - in eigener Sache

Meine unbewusste dritte Linie aus meinem Profil (Human Design: Die Profile - Erscheinen vorgemerkt) hat wieder zugeschlagen. Die dritten Linien der I-Ging-Hexagramme sind die Anarchisten, die nach dem Motto von Versuch und Irrtum leben.

Aus einem Kurstext von humandesign.com:
Echte Anarchie ist die Erkenntnis, dass das Fundament fehlerhaft ist und zerstört werden muss, selbst wenn es keinen erkennbaren Ersatz dafür geben sollte.

Zwei Schritte vor und einer zurück - so kommt man auch vorwärts. Zeit spielt keine Rolle, wenn es um Qualität geht. Nun hat mein innerer Anarchist meine Erzählung über Neilas Flucht über die Klinge springen lassen und befunden, sie sei zu erweitern und infolge dessen umzustrukturieren. Es hat sich nämlich Neilas Tagebuch vom Sommer vor ihrer Flucht nach Polen angefunden, und das schien uns beiden - meinem Anarchisten und mir - hinlänglich interessant und kompatibel, dass wir es in die Geschichte einzubauen beschlossen.

Daher werde ich alle bisher veröffentlichten Folgen noch einmal weitgehend umschreiben, es lohnt sich also, ab, sagen wir mal, heute 22 Uhr (spätestens) die Geschichte noch mal von vorn zu lesen. Es sind ja bisher nur drei Folgen gewesen. Die Änderungen beginnen mit dem letzten Absatz der ersten Folge.

Hier geht's lang: Mundtot machen (1)

Donnerstag, 11. August 2011

Human Design: Buchempfehlung

Wer einigermaßen des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich dringend Chetan Parkyns Buch Human Design – Discover the Person You Were Born To Be. Es ist das Beste, was mir bislang untergekommen ist. Auf der verlinkten amazon-Seite findet sich auch eine ausführliche Rezension von mir.

Ich habe lange gezögert, mir ein Buch zum HD zu kaufen, nicht zuletzt wegen der teils astronomischen Preise der bei der IHDS angebotenen Literatur. Die Bücher deutschsprachiger Autoren sind auch nicht gerade billig, davon gibt es meines Wissens bisher aber nur zwei von Peter Schöber zu den Zentren und den Typen und Autoritäten, worüber man ohnehin schon eine Menge guter Texte im Internet findet. Auch zu Schaltkreisen, Kanälen und Profilen findet der zu Beginn genannte Interessent mittlerweile genügend kostenlosen Lesestoff. Was mir vor allem fehlte, waren ausführlichere und verständlichere Beschreibungen der einzelnen Tore als im Rave I Ching.
Das gibt es nun endlich "all in one" in Chetans Buch. Es enthält umfangreiche, nach gesonderten Kapiteln geordnete Beschreibungen zu den neun Zentren (allgemein, definiert, undefiniert), den fünf Typen (der Manifestierende Generator ist als gesonderter Typ beschrieben), den sechs Autoritäten, den 36 Kanälen und den 64 Toren, geordnet nach ihrer Lage in den Zentren, und einer kurzen zusätzlichen Beschreibung am Ende jedes Zentrums, was es bedeutet, wenn dieses Zentrum offen ist, also gar kein Tor aktiviert hat. Und das alles für einen ungewohnt niedrigen Preis.
Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, waren weder Preis noch Umfang, sondern die Präzision der Aussagen – darüber habe ich in meiner amazon-Besprechung eingehend geschrieben. Das meiste, was ich bisher gelesen hatte, war gut, manches sogar sehr gut, aber Chetans Beschreibungen treffen durchweg einfach ins Schwarze. Ich habe mich noch nie so erkannt gefühlt – bei jedem "meiner" Tore, Kanäle, Zentren usw. ging mir ein durchdringendes Licht auf: "Aha! Das ist das! Ja, das kenne ich, exakt so ist es – und so hängt das also zusammen!"

Wenn man die Interpretationen und Ratschläge des Autors dazu liest, denen man immer sein tiefes, liebevolles Menschenverständnis anmerkt, und die Wesenszüge in einen Zusammenhang bringt, versteht man schon sehr bald, worauf man ganz praktisch im täglichen Leben zu achten hat, um inneren Frieden finden zu können. Ich zum Beispiel bin ein Generator mit bekannter Strategie. Wie aber klappt’s am besten mit der Strategie? Ist ja auch nicht ganz so einfach, sich von jetzt auf gleich hinzusetzen und zu warten und immer typgemäß zu reagieren, nur weil man das gelesen und eingesehen hat, nicht wahr? Nun, der Dreh- und Angelpunkt des Generators ist doch sein Sakralzentrum, also müssen die dort aktivierten Tore und definierten Kanäle für ihn von besonderer Wichtigkeit sein. Bei mir ist im Sakral unter anderem Tor 5, das Tor der Festen Rhythmen, aktiviert. Das bedeutet, dass ich meine Strategie am besten leben kann, wenn ich meinem eigenen festen Lebensrhythmus folge. Ich habe es geprüft und für richtig befunden: Sobald ich chaotisch in den Tag hinein lebe (und solche Anwandlungen habe ich oft, besonders, wenn ich ganz generator-nichtselbstmäßig erschöpft bin), werde ich sofort aus dem Fluss geschleudert und furchtbar unzufrieden. Dann springt umgehend die Denkmaschine an ("Der Verstand ist nie die innere Autorität!"), und mittlerweile weiß ich: Sobald ich mich dabei ertappe, dass ich schon wieder endlos darüber nachdenke, wie ich mein Leben besser organisieren könnte, mache ich was falsch. Es erfordert oft ein bisschen Disziplin und Überwindung der Unlust, im Rhythmus zu bleiben, aber wenn man weiß, dass das für einen überlebenswichtig ist, geht es auch – und trägt tausendfach Früchte.

Als illustratives Beispiel möchte ich mit der überaus freundlichen Genehmigung des Autors hier meine Übersetzung seiner Beschreibung des Kanals 29/46 veröffentlichen, denn mit dem hat es mittlerweile für mich eine besondere Bewandtnis. Ich hatte am 5. August im ersten Teil meiner Erzählung Mundtot machen ganz arglos die Heldin Neila charakterisiert. Am 6. August traf Chetan Parkyns Buch bei mir ein. Ich fiel fast vom Stuhl, als ich dort die Beschreibung zu diesem Kanal las – und sah, dass Neila genau diesen Kanal definiert hat!
Dieser Kanal verbindet Tor 29, das Tor des Jasagens ("Das Abgründige"), im Sakralzentrum, mit Tor 46, dem Tor der Zielstrebigkeit ("Das Empordringen"), im Selbstzentrum, und er wird Kanal der Entdeckung genannt, ein Design, Erfolg zu haben, wo andere versagen.
Zitat von mir:
Neila war immer so gewesen: kopfüber rein in die emotionale Welle und durch. Und wenn es schiefging? Es gab kein Schiefgehen für Neila. "Was geschieht, ist gut", war ihre Devise. Wenn sie liebte, war es toll, wenn sie litt, war es eine weitere Erfahrung, und wenn sie umgekommen wäre? Sie riskierte es.
Und hier Chetan Parkyns Beschreibung dieses Kanals:
"Achtung, hier kommt der Wirbelwind! Das Leben wird interessant, also schnall dich an und halt deinen Hut fest!" Wenn jemand so etwas sagt, kann man sicher sein, dass gerade jemand mit dem Kanal der Entdeckung die Bühne betreten hat und das Potenzial mitbringt, den Erfolg anzuziehen.
Du bist jemand, der dazu bestimmt ist, in die Entdeckungen des Lebens einzutauchen – wenn du es schaffst, dich der dazugehörigen Erwartungen zu entledigen. Heutzutage will jeder eine Erfolgsgarantie haben, bevor er sich auf etwas einlässt, aber mit diesem Kanal bist du dazu veranlagt, dich in etwas hineinzustürzen, ohne nachzudenken, und den Wert in der Erfahrung selbst zu sehen. Dann aber passiert etwas Wundervolles: Der Erfolg findet ganz von selbst zu dir! Es ist, als habe das Universum mitbekommen, dass du um der bloßen Erfahrung willen dabei bist, und möchte dich mit dem belohnen, was das Leben dir zugedacht hat. Es weiß nämlich, dass im Sakral für dich das natürliche Potenzial verborgen liegt, Erfolg zu haben, wo andere versagen. Häng dir diesen Leitsatz an deiner Tür oder über deinem Schreibtisch auf: "Ich habe Erfolg, wo andere versagen."
Die Wahrheit über diesen Kanal ist: Wenn du dich auf die richtigen Menschen und Projekte einlässt, ist nur der Himmel die Grenze. Doch hierin liegt der Schlüssel: Die Aktivierung dieses Kanals im Selbst bedeutet, dass du dir darüber klar sein musst, was du tust, und dass du es mit Leidenschaft tust. Dann erzeugt die machtvolle Mischung aus Lebenskraft und der Liebe zum physischen Tanz des Lebens solch einen Wirbelwind und solch eine Hingabe, dass ein Versagen gar nicht in Frage kommt. Sobald deine Bauchstimme dir bestätigt, dass du loslegen kannst, kannst du deine Uhr wegschmeißen, weil du zu einer alles verzehrenden Verkörperung dessen wirst, was du tust, und dich in dieser Erfahrung verlierst. Nichts kann dich mehr ablenken. Der Kanal der Entdeckung ist dazu bestimmt, Erfolg zu haben, denn mit dieser seltenen Kombination von Energie und Leidenschaft, die dich innerlich antreibt, kannst du dein Ziel gar nicht verfehlen.
Es ist ein unvergesslicher Anblick, wenn du dich total in einer Erfahrung auflöst, und deine Partner müssen lernen, diese alles verzehrende Seite an dir zu schätzen. Ich vergleiche das mit dem mystischen Tanz eines wirbelnden Derwischs. Er fängt langsam an, doch mit zunehmendem Tempo der Musik dreht sich der Derwisch schließlich so schnell, dass der Tänzer verschwindet und zum Wirbel selbst wird.
Dieser Kanal ist einer der vier "tantrischen" Kanäle. Der Begriff "Tantra" wird häufig mit Sex assoziiert, doch in Wirklichkeit ist es das Potenzial, Energie aus einer niederen in eine höhere Form zu verwandeln. Mit diesem Kanal verwandelst du das Gewöhnliche in das Außergewöhnliche. Aus diesem Grund suchen zahllose Menschen deinen Impuls, um ihre eigenen Raketen starten lassen zu können. Höre auf deine Bauchstimme, um dich richtig auf ausgewählte Erfahrungen einlassen zu können, und stürze dich immer nur in eine Erfahrung auf einmal. Wenn du das tust, wird ein Leben voll erfüllender Entdeckungen und Erfolge immer in greifbarer Nähe sein.
Bleibt zu hoffen, dass sich bald ein deutschsprachiger Verlag findet, der in eine gute Übersetzung investiert. Ich würde sie mit Freuden übernehmen.

© Angela Nowicki, 11. August 2011