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Samstag, 22. Februar 2014

Pluto ist ein Netz aus Lügen

Tagebucheintrag vom 26. Juni 2012

Ich hatte halb neun Abendbrot gegessen und gegen halb elf noch mal eine große Portion Süßkirschen. Weiß nicht, ob’s daran lag – ich konnte wieder nicht schlafen. Alles andere hatte ich gemacht: Yoga, körperliche Bewegung im Freien, Salzwasser, noch nicht mal Süßigkeiten abends – nur die Lichtreinigung machte ich nicht, weil ich mich dazu einfach nicht überwinden konnte, und das heißt für mich, es ist erst mal genug.
Erst versuchte ich, einfach liegen zu bleiben und mein Inneres zu beobachten, die ganze Nacht, wenn’s sein muss. Geht natürlich nicht, wirste verrückt. Das war dann halb drei oder so, als ich aufstand und ins Atelier ging und meine Vorzeichnung mit schwarzer Farbe nachzumalen begann. Das tat gut, und ich dachte auch, das hilft mir jetzt, half aber nicht.

Wieder die Lunge… die Bronchien, was weiß ich… Wieder dieses permanente Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können und beim Einschlafen mit Atmen aufzuhören… Was ist das nur? Ich habe Angst. Trotz aller rationalen Erklärungen – ich habe Angst vor einer chronischen und vielleicht tödlichen Lungenerkrankung. Ich habe Angst vor meiner eigenen Schuld. Es ist etwas ganz anderes, wenn jemand krank wird, aber sich als Opfer empfindet. (Und fast alle Leute, die ich kenne, empfinden sich als Opfer. Manchmal glaube ich, ich bin die Einzige mit einer „Tätermentalität“.)
Es sind gar nicht mal so sehr die Vorwürfe, die ich fürchte („Siehste, das hast du nun davon, wie konntest du nur!“), sondern die Aufforderung: „Sie müssen sofort mit dem Rauchen aufhören!“ Weil ich weiß, dass ich das nicht kann. Dabei rauche ich doch gar nicht so viel! Ich kann mir rational einfach nicht vorstellen, dass meine Atemprobleme wirklich vom Rauchen kommen. Rational… Jedenfalls habe ich Angst, und in diese Angst hinein wollte ich gehen, wenn’s sein muss, die ganze Nacht, aber s.o.

Mir fiel auf einmal auf, dass es eine Art Elektrizität ist, die mich vom Schlafen abhält. Ich erinnerte mich, dass mir schon seit längerer Zeit ganz seltsame Stromstöße aufgefallen sind, die beim Einschlafen gelegentlich durch meinen Körper zu jagen scheinen. Diese Nacht auch wieder, und jetzt konnte ich auch viel deutlicher spüren, dass sich mein Körperinneres die ganze Zeit anfühlt wie ein Hochspannungstrafo – es summt regelrecht alles, die Nerven summen, sie scheinen zum Zerreißen gespannt zu sein (obwohl ich körperlich und seelisch eigentlich völlig entspannt bin) oder unter Hochspannung zu stehen.
Und da fiel mir ein,
- dass Pluto gerade über meinen Mond läuft und auf meine Sonne zusteuert,
- dass Uranus gerade auf meinen Mars zusteuert
- und dass alle drei – Pluto, Uranus und Mars – in meinem 9. Septar im 1. Haus stehen, und das 1. Haus ist der Körper! Und da wollte ich unbedingt wissen, was das bedeutet, und mir fiel nichts ein, an wen ich mich wenden könnte. Bei astrologix schreibt kaum noch jemand, und sonst kenne ich keine guten Astrologen mehr…

Ich rief mein Pferd Lukas, der ließ mich erst hinsetzen und die Weite der Steppe wahrnehmen, galoppierte dann mit mir endlos über die unendlichen Weiten, dabei schloss sich uns von hinten die ganze Pferdeherde an, und ich wurde selbst zum Pferd, doch das erschöpfte mich, und dann fragte ich ihn nach der Bedeutung dieser Konstellationen. Er sagte, er habe keine Ahnung von Astrologie, das könne mir am ehesten „die Weisheit“ beantworten, und dazu müssten wir in die Oberwelt.
Dorthin sind wir dann auch gegangen – ich durfte auf Lukas reiten –, er setzte mich vor dem Tor zur Oberwelt ab und sagte, er warte hier auf mich. Das Tor war eine starke Membran, die ewig nicht nachgab, bis ich es rückwärts versuchte, da trudelte ich rein. Dann lief ich ewig lange umher, und irgendwann erschien deutlich vor mir ein wildes Mädchen, das dann zu einer hübschen Frau wurde, die schließlich die Gestalt einer Madonna, aber zwischendurch auch mal Männergestalt annahm. Das war die Weisheit. Und alles, was ich zu hören bekam, war:
„Pluto ist ein Netz aus Lügen.“
Fortan schwieg sie. Draußen fragte ich Lukas, ob mein Leben ein Netz aus Lügen sei, aber er wusste es nicht.
Und was mache ich nun?


Sonntag, 2. Februar 2014

delivering pluto

(Das Plutonische) ist ungeboren, es ist noch nicht in die Selbstständigkeit entlassen. Manche Eltern wollen ihre Kinder ... nicht in die Selbstständigkeit entlassen - ist gleich eine Pluto-Situation. Die Pluto-Situation ist immer die, wo etwas, was reif ist für die Selbstständigkeit, noch nicht in die Selbstständigkeit entlassen ist.
...
Selbst wenn man unter der Pluto-Situation in die Selbstständigkeit gelassen würde, würde man selber nicht in die Selbstständigkeit gehen - und aus diesem Grunde suche ich etwas, wo ich unselbstständig sein kann, etwa eine Sekte, etwa eine Ideologie...
...
Ah, Max Beckmann, der (hat) auch (Pluto am Aszendenten). Na ja, gut, da geht's ums Bilder Gebären. Da geht es drum, dass etwas zu gebären ist. Also, immer beim Pluto geht's drum, dass was zu gebären ist, natürlich unter Krämpfen, wenn's blöd kommt.

Wolfgang Döbereiner, Seminare


Aufwärts ging es dann vor allem mit den „plutonischen‟ Erkenntnissen (die ich mittlerweile natürlich schon wieder vergessen habe, wer sind wir denn!), und Durchfall passt mir seeehr zu Pluto, dem Verdrängten: Scheiße ist auch was Verdrängtes, und hier kam nun allerhand Scheiße raus.


Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Sippe

Tagebucheintrag vom 31. Januar 2012

Frage: Was kann ich tun, um diese Woche noch endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, mich zu befreien?

I GING - 37.5 – Die Sippe

Auch hier muss die Wirkung von der eigenen Person auf andere ausgehen. Um eine solche Wirkung ausüben zu können, müssen die Worte eine Kraft haben, das können sie nur, wenn sie auf etwas Wirklichem beruhen. Nur wenn die Worte sachlich sind, sich auf bestimmte Verhältnisse klar beziehen, haben sie Einfluss. Allgemeine Reden und Ermahnungen sind gänzlich wirkungslos. Ferner müssen die Worte unterstützt werden von dem ganzen Benehmen. Nur ein festes, konsequentes Handeln wird auf andere den Eindruck machen, dass sie sich ihm anpassen und nach ihm richten können. Sind Wort und Benehmen nicht im Einklang und konsequent, so bleibt die Wirkung aus.
Ein König naht er seiner Sippe, fürchtet euch nicht.
Heil!

Ein König ist das Bild eines väterlichen, innerlich reichen Mannes. Er handelt nicht so, dass man sich vor ihm fürchten muss, sondern die ganze Familie kann Vertrauen haben, weil die Liebe herrscht im Verkehr. Sein Wesen übt ganz von selbst den rechten Einfluss aus.
Richard Wilhelm

Mittlerweile (heute ist der 9. Februar) ist diese Antwort ganz klar. Das Ging sagte mir: Entweder du willst es wirklich und bist dir auch sicher, es zu können, dann sollst du sprechen. Ist dem nicht so - schwankst du im Grunde noch, oder fühlst du dich unfähig, oder ist deine Angst zu stark - dann schweige und lass es sein. Wenn du aber aus einer absoluten inneren Sicherheit heraus sprichst, wirst du im Partner einen hilfreichen und liebevollen Verbündeten und Ratgeber finden.
Als die Angst mir noch die Luft nahm, war ich nicht in der Lage, die Aussage zu erkennen: „Wenn du es nicht kannst, dann lass es!‟
Im Genschlüssel 37 geht es um den Übergang vom Männlichen zum Weiblichen, um die Stärke der Sanftheit und Zärtlichkeit und um die gesamte Menschenfamilie. Es ist genau das, was ich vorigen Sonnabend (als Jupiter auf die Linie 27.2 gelaufen war, die mütterliche Fürsorge) erkannt habe: dass ich mein inneres Kind mit Liebe und Bewunderung aus ganzem Herzen fördern und anleiten muss, um es endlich aus dem väterlichen Zwang und „Militärregime‟ zu befreien. Und auch die hier gezogene Linie 37.5 heißt „Liebe‟.
Außerdem ist es ziemlich interessant, dass auf die Frage nach meiner Befreiung Hexagramm 37 kam, denn das bildet in der Körpergrafik des Human Design einen Kanal mit Hexagramm 40, der „Befreiung‟.

© Angela Nowicki, 17. Juli 2013

Mittwoch, 10. Juli 2013

Chiron

Tagebucheintrag vom 14. Dezember 2011

Chiron. Gestern Nacht beim Einschlafen fühlte ich nach fast 40 Jahren wieder, was ich damals gefühlt hatte, und hörte die Musik. Die Musik und die Gefühle sind unauflöslich miteinander verbunden.
Schmerz. Schmerzende Sehnsucht. Ausgesetzt im Kosmos, aber noch darf die Sehnsucht hoffnungsvoll sein. Sehnsucht nach Liebe. Sehnsucht nach Nähe. Eine Sehnsucht wie eine Kreissäge, nichtsdestotrotz. Schmerz.
Und dann kam ich zu mir und prognostizierte mir die Zukunft, und die 17-jährige blickte erstaunt in ihre Zukunft und blickte in einen immer dunkler werdenden Tunnel hinein, und dieser Tunnel hieß: Ein Leben voller Leid. Und die 17-jährige sagte: „Ich will nicht leben.‟
Seit ich 14 bin, ist mein Leben konsistentes Leid. Vierzehn? Nein, das war es schon, seit ich zur Schule kam. Schon im Kindergarten. Vielleicht von Anfang an, ich habe mich ja eingeengt gefühlt, seit ich zurückdenken kann.
Leid. Melancholie. Schmerz. Im Grunde ein emotionales Problem, denn weder hungere oder friere ich, noch erlebe ich körperliche Gewalt, noch bin ich krank. Letztlich mein Problem, denn ich bin es, die unter ihren Gefühlen leidet. Weil da ein Bedürfnis ist wie eine monströse Wunde.
Chiron. Chiron ist die Wunde. Und der Heiler. Chiron steht im HDS bei mir in Tor 19, der Annäherung. Zwar kein Gefühl, aber schlimmer noch: ein Bedürfnis, das Gefühle ansaugt, denn dieses Tor bildet einen Kanal mit Tor 49 im Emotionszentrum. Ich habe in der Nacht schon mal kurz im Offermann nachgeschaut, welche Linie es denn sein könnte, und die einzige problematische ist die 3. Heute sehe ich: Mein Chiron steht auf der 19.3!
Und der Design-Chiron in der 41 - ich hab's mir gedacht! Der Zwilling vom Bedürfnis: der Wunsch, das Verlangen. Die Minderung. Auch die führt vom Wurzel- zum Emotionszentrum, und was sie hier anzieht, ist wohl die tiefste Sehnsucht überhaupt: Tor 30, das Haftende Feuer, heiß und verzehrend.
Bei Richard Rudd ist der Schatten des 19. Genschlüssels die Bedürftigkeit. Die Bedürftigkeit als Schatten der Sensibilität. Und beim 41. sind Fantasie und Verträumtheit der Schatten der Vorahnung.

Heute Nacht beim Einschlafen blickte die 14-jährige jedenfalls wieder in den Tunnel und hörte die Musik. Und fühlte.

© Angela Nowicki, 10. Juli 2013

Dienstag, 16. August 2011

HD: Das Sakralzentrum und die inneren Autoritäten

Das SAKRALZENTRUM ist ein mächtiger Energiewirbel, ein Generator, der alle eingehenden Impulse und eingespeisten Energien verarbeitet, in die benötigte Energieart umwandelt und diesen "Strom" zur Nutzung bereit stellt. Als einer der vier Motoren in der Körpergrafik ist es das Zentrum der Lebenskraft, der Sexualität, der Fruchtbarkeit und der Ausdauer. Folgerichtig sind diesem Zentrum auf der körperlichen Ebene die Fortpflanzungsorgane zugeordnet und von den Hormondrüsen die Eierstöcke und die Hoden.

Das definierte Sakralzentrum hat etwas ganz Besonderes: eine Stimme. Es ist die berühmte "Bauchstimme", die den Generator leitet – der natürlich seinen Namen von seinem definierten Sakralzentrum erhalten hat, denn bei wem dieses Zentrum definiert ist, der ist immer ein Generator. Für diese Menschen ist es von zentraler Bedeutung, geduldig warten zu lernen, bis ihnen etwas entgegenkommt, worauf sie reagieren können. Das Sakralzentrum ist kein aktives, sondern ein reaktives Zentrum! Die Bauchstimme antwortet mit einem spürbaren und spontanen "Hmmm!" für ja oder "Ä-ä!" für nein, das sich auch als Gefühl des Hingezogen- oder Abgestoßenwerdens in Bezug auf die fragliche Angelegenheit äußern kann.

Hier berühren wir bereits die zweite Kategorie des Human Design. Die erste waren die bereits besprochenen Typen, die zweite ist die innere Autorität. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, hat jeder Mensch eine innere Instanz, die dafür ausgelegt ist, die für seine Entwicklung vorteilhaftesten Entscheidungen zu treffen. Ich habe auch schon dargelegt, warum dies niemals der Verstand sein kann. Es gibt insgesamt sechs verschiedene Autoritäten, und wer welche hat, hängt davon ab, welche Zentren in seiner Körpergrafik definiert bzw. nicht definiert sind.

1. Ist das Solarplexuszentrum definiert, haben immer die Emotionen die innere Autorität, ganz gleich, welche Zentren sonst noch definiert sind. Worauf die emotionale Autorität beruht, werde ich im Kapitel über das Solarplexuszentrum erklären.

2. Ist das Solarplexuszentrum undefiniert, aber das Sakralzentrum definiert, dann handelt es sich um eine sakrale Autorität, gleich welche Zentren sonst noch definiert sind. Das bedeutet: Ein Generator kann nur zwei Autoritäten haben – entweder er ist ein emotionaler oder ein sakraler Generator. Bei einem sakral gesteuerten Generator hat die innere Autorität die engste Beziehung zum Typ, d.h. hier trifft alles zu, was bereits über den Typ des Generators geschrieben wurde: Er muss, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, "warten – reagieren – handeln". Er muss warten, bis eine Entscheidung fällig wird, darauf seine Bauchstimme reagieren lassen, der er dann, wenn irgend möglich, in seiner Entscheidung folgen sollte.

3. Sind Solarplexus- und Sakralzentrum undefiniert, und ist das Milzzentrum definiert, dann handelt es sich um eine Milzautorität, die im Kapitel über das Milzzentrum besprochen werden wird. Auch hier spielt es keine Rolle, welche der restlichen Zentren sonst noch definiert sind.

4. Sind Solarplexus-, Sakral- und Milzzentrum undefiniert, und ist das Herzzentrum definiert, dann ist das eine Ego-Autorität. Dies ist die Autorität der Willenskraft. Hier geht es, im Gegensatz zum Selbst des G-Zentrums, um die materiellen, weltlichen Ziele des Ich oder Ego. Das Ego will die Kontrolle über die materielle Ebene des Seins haben, und dazu gehört sowohl eine funktionierende Gemeinschaft als auch der persönliche und gemeinschaftliche Besitz oder der persönliche Status innerhalb dieser Gemeinschaft: "Ich bin der Boss." "Das ist meine Familie / unser Haus." "Ich bin der Erste."
Im Hinblick auf die Autorität bedeutet das, dass ein solcher Mensch die Willenskraft haben muss, zu seinen Entscheidungen zu stehen und sie bis zum Erfolg oder Misserfolg durchzuziehen. Darüber darf man gar nicht diskutieren müssen. Dieser Mensch muss in der Lage sein, nachdrücklich und mit aufrichtiger Überzeugung zu sagen: "Das ist etwas für mich. Ich tue es." Die Ego-Autorität darf sich nicht auf Gefühle, Bauchstimmen oder Ahnungen verlassen, denn die dafür zuständigen Zentren sind bei ihr ja undefiniert und daher unzuverlässig. Die Entscheidungsgewalt liegt also bei einem unmissverständlichen: "Ich will." (Sturzhelm und Ellbogenschützer sind immer nützlich.)
Je nachdem, über welche Kanäle das Herzzentrum definiert ist, kann es sich um einen Manifestor oder einen Projektor handeln, deren jeweilige Strategie zusätzlich berücksichtigt werden muss. Der Manifestor hat es am einfachsten: Er braucht nur andere darüber zu informieren, was er sich vorgenommen hat, und kann gleich loslegen. Der Projektor hingegen muss auf Anerkennung und Einladung warten, bevor er seinen Willen durchsetzen kann.

5. Ist das G-Zentrum definiert, während alle Zentren darunter undefiniert sind, haben wir es mit einer Selbst-Autorität zu tun. Was über dem G-Zentrum definiert ist, spielt keine Rolle. Solch ein Mensch ist immer ein Projektor, da ja kein Motor mit der Kehle verbunden sein kann und auch das Sakral-Zentrum undefiniert sein muss. Die Selbst-Autorität ist im Grunde ein Autopilot. Diese Menschen müssen keine Entscheidungen aufgrund ihrer emotionalen Klarheit, ihrer Bauchstimme, ihrer Intuition oder ihres Willens treffen – sie müssen eigentlich überhaupt keine Entscheidungen treffen, denn sie haben nur eines zu tun: das, was sie tun. Im Selbstzentrum sitzt, wie wir wissen, der Magnetische Monopol, unser Chauffeur, der uns durchs Leben fährt. Wenn der auch noch die Entscheidungsgewalt hat, braucht der Fahrgast nicht einmal darüber nachzudenken, was er tun soll; er kann sich einfach zurücklehnen und sich "durchs Leben kutschieren lassen". Wenn die Entscheidung einer Selbst-Autorität in Frage gestellt wird, hat sie normalerweise eine Menge rationaler Rechtfertigungen dafür parat – aber Gedanken treffen schließlich keine Entscheidungen. Vielleicht hat sie sich aber auch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht und antwortet: "Ich weiß nicht, es war einfach das Richtige." Sehr dubios...
Das Mantra für einen Menschen mit Selbst-Autorität ist Shakespeares wundervoller Hamlet-Vers:

Dies über alles: Sei dir selber treu,
Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage,
Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.

6. Nun gibt es jedoch noch die seltenen Fälle, in denen keines der genannten Zentren definiert ist. Diese Menschen haben keine innere Autorität. Es kann sich hier nur um einen geistigen Projektor oder einen Reflektor handeln: Beim geistigen Projektor ist mindestens eines der drei Zentren über dem G-Zentrum (Kehl-, Ajna- und/oder Kopfzentrum) definiert, der Reflektor ist, wie bereits unter den Typen beschrieben, vollständig offen. Beide Typen haben aber in Bezug auf ihre Entscheidungsfindung die gleiche Strategie: Sie müssen einen Mondumlauf, also ungefähr 28 Tage lang, warten. Das mag in unserer schnelllebigen Zeit utopisch erscheinen, dieses Dilemma betrifft aber nicht nur Reflektoren; unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist der Feind des Selbst, daher bleibt es niemandem, der nach Selbsterfüllung strebt, erspart, seinen eigenen, fast immer dornenreichen Weg zu finden und zu gehen, indem er herausfindet, wo er Kompromisse eingehen muss, kann und will und wo er bereit ist, auf bestimmte Vorteile der materiellen Welt zu verzichten.
Wichtig ist es für diese Menschen auf jeden Fall, sich für jede größere Entscheidung so viel Zeit zu nehmen, wie nötig ist, und sich bewusst zu werden, dass alles, was schnellere Entscheidungen erfordert, einfach nichts für sie ist. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es sich dabei nicht selten schon um von Natur aus unentschlossene Menschen handelt. Wer mit ihnen essen geht, sollte sich am besten den ganzen Tag frei nehmen und sich vorher schon satt essen, sonst ist er verhungert, wenn sie sich endlich dazu durchgerungen haben, ihre Bestellung aufzugeben. Die Natur in ihrer unendlichen Weisheit sorgt offensichtlich schon von vornherein dafür, dass jeder die besten Voraussetzungen für ein Leben gemäß seiner Bestimmung mitbringt, eine Erfahrung, die ich bereits aus der Münchner Rhyhtmenlehre, der astrologischen Schule von Wolfgang Döbereiner, kenne.
In diesen – idealerweise – vier Wochen sollten diese Menschen so oft und so viel wie möglich mit anderen über die betreffende Angelegenheit sprechen und auch besonders darauf achten, was sie sich selbst sagen hören. Reflektoren und geistige Projektoren sind dazu veranlagt, ihre verschiedenen inneren Erfahrungen zu einem Ganzen zusammenzufassen und ihre Entscheidungen aus der Gestalt dieser Synthese heraus zu fällen.

Um auf das definierte Sakralzentrum zurückzukommen, bleibt zu sagen, dass diese Menschen – also Generatoren – wie Dampflokomotiven sind: Sie brauchen lange, um in Fahrt zu kommen (beim Manifestierenden Generator geht es allerdings schneller), aber wenn sie einmal auf Touren sind, sind sie nicht mehr aufzuhalten und haben einen unglaublich langen Bremsweg. Deshalb ist es für Generatoren so wichtig, mit jeder größeren Entscheidung lange genug zu warten und auch wirklich auf ihre Bauchstimme zu hören, damit sie sich nur auf Projekte und Beziehungen einlassen, die eine lustvolle Erfahrung für sie sind und bleiben. Denn für sie gilt: einmal drin – immer drin. Wenn sie etwas anfangen, müssen sie es bis zum Ende durchziehen, und Enden können auch bitter sein.
Lebt das definierte Sakralzentrum aus seinem Nichtselbst, dann wartet es nicht auf Resonanz ("Ich muss doch endlich etwas tun!"), verwickelt sich in die falschen Erfahrungen und bleibt am Ende erschöpft, frustriert und von anderen ausgenutzt auf der Strecke.

Das undefinierte Sakralzentrum steht nicht unter solchem Druck, produktiv zu sein, wie die Generatoren. Es kann viel leichter alle Fünfe grade sein und andere für sich arbeiten lassen, gerät daher auch nicht so leicht in Gefahr, sich ausnutzen zu lassen. Aber, wie alle undefinierten Zentren, entwickelt es natürlich auch einen starken Sog, der Konditionierungen anzieht.
Die Nichtselbst-Strategie des undefinierten Sakralzentrums ist daran zu erkennen, dass der Mensch sich von anderen (Generatoren, natürlich) mitreißen lässt, weil er meint, er müsse genauso produktiv und ausdauernd sein wie sie. Ein offenes Sakral hat aber gar keine eingebaute Bremse, daher wissen diese Menschen einfach nicht, wann sie aufhören müssen. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Total-Burnout.

Die richtige Strategie ist sowieso immer dieselbe, egal, ob definierte oder undefinierte Zentren: Halte dich an deinen Typ, folge deiner inneren Autorität und versuche nicht zu sein, was du nicht bist.

© Angela Nowicki, 16. August 2011

Mittwoch, 6. Juli 2011

Plädoyer für die Amoral

Was ich am Human Design von Anfang an geliebt habe, war der Slogan "No choice". Gut, er ist ein bisschen übertrieben, natürlich haben wir die Wahl, wie wir uns verhalten, ob wir das, was wir sind, akzeptieren und ausleben oder nicht. Nur sind wir halt etwas, eine ganz bestimmte, einzigartige genetische Definition, und da hört unsere Wahlfreiheit auf. Und wir haben auch keine Wahl, was die Gestalt unseres Lebens angeht. Ob wir unsere Bedürfnisse befriedigen, unsere Wünsche erfüllen, unsere Ziele erreichen oder nicht, das hängt, allen anders lautenden Gerüchten zum Trotz, nun mal nicht von uns ab.
Mir gefiel im Human Design der Vergleich mit dem Fahrzeug, einen ähnlichen Vergleich habe ich vor Jahren schon bei dem Astrologen und Psychotherapeuten Peter Orban gelesen, da war es ein Zug: Unser Körper ist unser Fahrzeug, in dem wir durchs Leben fahren. Aber wir sind nicht der Fahrer, auch wenn es uns oft so vorkommt. Für den Fahrer hat das HD einen Magnetischen Monopol in uns ausgemacht, also unsere innere Führung, die nicht identisch ist mit unserem selbstreflektierenden Bewusstsein. DAS ist nur der Fahrgast. Und der sitzt nicht im Taxi. Der Fahrer fährt uns nach einer auf einer höheren (oder tieferen) Ebene geplanten Route, und somit ist das Klügste, was wir tun können, uns entspannt zurückzulehnen und alles, was uns auf dieser Reise begegnet, interessiert zu beobachten. Kamera und Tagebuch sind dabei praktisch.
Selbst wenn wir unser "Design leben" (übrigens ein furchtbares Wort, es hat im Deutschen nun mal eine viel engere Bedeutung als im Englischen – könnte man sich hier nicht auf ein anderes einigen, "Anlage" zum Beispiel?), was im HD allenthalben fast schon missionarisch repetiert wird, wenn wir der Strategie unseres Typs und unserer inneren Autorität folgen, wird nicht alles automatisch "gut" in dem Sinne, dass sich das Leben plötzlich unseren Vorstellungen von ihm anpasst. Die Route ändert sich deswegen nicht, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Es hilft uns nur, die Fahrt zu genießen, nicht mehr und nicht weniger. Und das ist doch eine ganze Menge.

Und das hat mir im HD von Anfang an richtig gut gefallen. Dass der Mensch nicht korrigiert werden muss, sondern lernen kann, sich und sein Leben anzunehmen, wie es ist. Eine große und schwere Aufgabe, aber wenigstens eine mit realen Erfolgsaussichten.
Anscheinend hatte ich diese Wahrheit wieder mal vergessen, als ich die letzten Sätze über das Kopfzentrum schrieb. Es gibt kein "soll" und "darf nicht", niemand muss irgendetwas tun. Man macht es sich nur etwas gemütlicher, wenn man sich mit einem offenen Kopfzentrum nicht dauernd mit fremden Themen beschäftigt, das ist alles. Aber man stirbt auch nicht, wenn man es tut. Und es gibt mit Sicherheit eine Menge Leute, die dazu bestimmt sind, sich mit fremden Fragen zu beschäftigen. Sie werden glücklicher sein, wenn sie sich nicht damit identifizieren, sicher, aber wenn sie es tun, geht die Welt auch nicht unter, vor allem, wenn sie sich dessen bewusst sind. Und wenn nicht – so what. Wir sind hier, um Erfahrungen zu sammeln.

Eigentlich wollte ich mir etwas anderes von der Seele schreiben, was aber gar nicht so weit weg vom amoralischen Imperativ liegt. Mir war gestern ein Artikel einer von mir ansonsten sehr geschätzten HD-Analytikerin aus den USA aufgestoßen, in dem sie ganz offensichtlich das Multidimensional Human Design, eine Weiterentwicklung von Eleanor Haspel-Portner, attackierte (der Artikel ist schon über acht Jahre alt, deshalb will ich nicht weiter darauf eingehen, vielleicht denkt die Frau heute ja schon ganz anders).
Da war es wieder: "Keep it simple!" Ich habe den Satz auch schon gelesen, aber da ging es nach meinem Verständnis darum, dass ein Analytiker seinen Kunden nicht mit einer Flut nutzloser Details überhäuft, die dem am Ende sowieso nichts bringen. Hier jedoch war eher die "reine Lehre" gemeint. Ich bin da ein bisschen empfindlich, denn ich habe diesen sinnlosen Kampf der Puristen gegen die Reformer schon in der Astrologie, der Homöopathie und was weiß ich wo verfolgen dürfen. Ich meine, ich habe eine Riesenachtung vor Ra Uru Hu, dem Begründer – oder soll ich besser sagen "Empfänger" – des Human Design, und bedaure es unendlich, dass ich mittlerweile keine Gelegenheit mehr haben werde, ihn persönlich kennen zu lernen, da er leider vor Kurzem verstorben ist. Doch ist es nicht so, dass solche Schismen immer dann entstehen, wenn eine Lehre entweder zu starr geworden ist oder den veränderten Ansprüchen nicht mehr genügt? Das Leben mutiert nun mal ständig, das ist doch erfreulicherweise sogar ein Grunddogma des Human Design.
Eleanor ist eine ungeheuer tiefgründige Denkerin. Sie hat das System um ein Vielfaches komplexer gemacht, damit sicher auch komplizierter, aber – es funktioniert! Es funktioniert sogar noch besser als das ursprüngliche System. Und das ist für mich das einzige Wahrheitskriterium.

Einige der ursprünglichen Protagonisten haben nach meiner Beobachtung leider eine ganze Serie von "Gebeten" entwickelt, die genau dem widersprechen, was sie immer so begeistert verkünden: der Vielfalt. "Es gibt immer ein Dies und ein Das", wie Ra zu sagen pflegte. Nicht jeder ist dazu "designt", es simpel zu halten. Das ist nur ein "Dies", und es gibt so viele "Das", die gerade die Komplexität und Tiefe brauchen, um glücklich zu sein.
Und da ich gerade so schön in Fahrt bin: Für ebensolchen Unfug halte ich es auch, ständig den Verstand zu verteufeln. Der Verstand ist niemals die innere Autorität, kein Zweifel. Die Autorität ist die innere Instanz, die die Entscheidungen trifft. Dass der Verstand keine guten Entscheidungen treffen kann, ist aber noch lange kein Grund, ihm gleich sein ganzes Spielzeug wegzunehmen. Wenn unser Ursprung gewollt hätte, dass wir nicht denken, hätte er uns vermutlich erst gar kein Großhirn verpasst. So viele Menschen arbeiten mit dem Verstand und sollen das auch tun, dazu sind sie hier, das hat rein gar nichts mit der Autoritätsfrage zu tun. Der Verstand kann ein wunderbares Werkzeug sein. Entscheidungen sind eine ganz andere Kategorie.

© Angela Nowicki, 6. Juli 2011

Samstag, 25. Juni 2011

Kurze Einführung ins Human Design

Das Human Design System ist im Groben eine Synthese aus Astrologie und I Ging. Diese Kombination war ein Geniestreich, der viel exaktere und hilfreichere Aussagen über die Funktionsweise und Bestimmung eines Menschen erlaubt als alle bisher bekannten Astrologien. Vor allem kann man seinem Design seine Bestimmung und viele ganz praktische Hinweise auf die für einen am besten geeignete Lebens- und Handlungsweise entnehmen.

Das "Horoskop" des HD ist ein Körpergrafik genannter energetischer Schaltplan des Menschen. Die Körpergrafik besteht aus neun verschiedenen energetischen Zentren, die vom Prinzip her den sieben indischen Chakras entsprechen. Diesen Zentren sind auf festgelegte Weise die 64 Hexagramme des chinesischen Buchs der Wandlungen (I Ging) zugeordnet, die hier als Tore bezeichnet werden. Die Zentren sind über diese Tore durch 36 Kanäle miteinander verbunden, über die der Energiefluss erfolgt. Diese Kanäle wiederum werden insgesamt vier Schaltkreisgruppen zugeordnet.

Zunächst wird anhand des Geburtsdatums eines Menschen ein Horoskop erstellt. Das ist jedoch schon nicht mehr ganz so gewöhnlich, denn um den Tierkreis herum sind ebenfalls auf festgelegte Weise die 64 Hexagramme des I Ging angeordnet. Somit steht jeder Planet hier nicht auf einem bestimmten Grad in einem bestimmten Tierkreiszeichen, sondern in einem bestimmten "Tor" auf einer bestimmten Linie. Die Hexagramme des I Ging bestehen nämlich wiederum aus jeweils sechs Linien (Yin oder Yang).

Zusätzlich zum Geburtszeitpunkt wird beim HD ein weiterer Zeitpunkt errechnet, der ca. 88 – 90 Tage vor der Geburt liegt, und auch auf diesen Moment ein Horoskop erstellt. Damit erhält man im Ergebnis nicht 13 (im HD wird, anders als in der Astrologie, die Stellung der Erde mit berücksichtigt), sondern 26 Positionen von Himmelskörpern und rechnerischen Punkten (die beiden Mondknoten sind keine Himmelskörper) für eine Person, die daraufhin in die entsprechenden Tore in der Körpergrafik übertragen werden.*)

Wenn in einem Tor einer dieser 26 Faktoren steht, bezeichnet man es als aktiviert und färbt in der Körpergrafik die Hälfte des an das Tor anschließenden Kanals ein. Die Aktivierungen des Geburtszeitpunktes werden schwarz eingefärbt, die des errechneten Zeitpunktes vor der Geburt rot. Die schwarzen Aktivierungen gehören zur bewussten Persönlichkeit, die roten zum Unbewussten, das hier in schönem Denglisch Design genannt wird.

Sind in einem Kanal beide Tore, zwischen denen er verläuft, aktiviert, so dass der ganze Kanal farbig ist, dann gilt dieser Kanal als definiert, und die beiden Zentren, die er miteinander verbindet, werden damit ebenfalls definiert und in der Körpergrafik mit einer bestimmten Farbe gefüllt. Definierte Zentren und Kanäle zeigen die genetisch definierten Ich-Anlagen, die Bereiche, in denen der Mensch immer auf die gleiche Weise agiert und reagiert, also verlässliche und unwandelbare Persönlichkeitsmerkmale.

Alles, was in der Körpergrafik weiß ist, sind undefinierte oder offene Kanäle und Zentren. Hier wirkt der genetische Imperativ, der sich von allem angezogen fühlt, was anders ist als das Selbst. Es sind Bereiche, in denen die Energie unstet und flexibel strömt und einen starken Sog ausbildet, der das Fremde, das Nichtselbst, anzieht. Beides – das Selbst und das Nichtselbst – ist notwendig und hat seinen Sinn im Leben des Menschen, wenn der richtig damit umgeht. Wer sich mit dem Nichtselbst identifiziert – und das tun nicht wenige Menschen –, lebt an seinem Selbst vorbei. Er lässt sich von seiner Umwelt und von der Gesellschaft konditionieren wie Pawlows Hund. Die wahre Aufgabe unserer undefinierten oder offenen Zentren ist es aber, in den ihnen zugeordneten Bereichen Weisheit durch losgelöstes Gewahrsein zu erlangen und damit universelle Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Das Human Design System ist ein unerhört präzises Werkzeug zur Erkenntnis seiner selbst und anderer Menschen, ja der ganzen menschlichen Natur. Damit fördert es die Einsicht in die Vielfalt der Schöpfung, Toleranz und Verständnis für das Fremde und last but not least die Selbstverwirklichung. Wer seine Strategie lebt und seiner inneren Autorität folgt, verwirklicht sich ganz von selbst, das braucht man gar nicht bewusst anzustreben. Die eigene Strategie zu leben, bedeutet, die Entfaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen und die Grenzen zu respektieren, die das eigene Selbst einem setzt, und die Autorität ist eine innere Instanz in jedem Menschen (meistens eines von fünf Zentren in der Körpergrafik), die dazu bestimmt ist, die für seine Entwicklung besten Entscheidungen zu treffen.

*) Das Multidimensional Human Design, eine Weiterentwicklung des ursprünglichen HD, verwendet sogar noch einen dritten Zeitpunkt ca. 88 – 90 Tage nach der Geburt.

© Angela Nowicki, 25. Juni 2011