Samstag, 6. Juli 2013

Geht doch!

Tagebucheintrag vom 2. November 2011

Interessant, dass mich P. gestern Abend fragte, wie wir das mit dem Neuantrag ans Jobcenter machen, da er heute mit seiner Mutter einkaufen fahren wollte. Ich wusste, dass er es gern gehabt hätte, dass ich mitkomme. Ich tat spontan das Richtige: bat ihn, mich morgen noch mal zu fragen. Darauf reagierte er total nett: „Klar, es reicht auch morgen Mittag, wenn ich nach Hause komme.‟
Und heute gab es gar keine Diskussion, als ich sagte, du fährst mich zur Post, und ich laufe von dort nach Hause, da habe ich gleich meinen Spaziergang. Als wir losfuhren, fiel uns ein, dass die Post gerade Mittagspause hat. Er fragte nur kurz, ob ich vielleicht nicht doch zum Einkaufen mitkommen wolle, doch ich sagte, nein, ich habe Rückenschmerzen wegen des Ischiasnervs - und alles war paletti. Er bot zweimal von selbst an, dass dann auch er den Brief aufgeben könne, da könnte ich gleich nach Hause laufen - und so machten wir das dann auch.

So etwas passiert in letzter Zeit immer häufiger. Ich muss nur sagen, was ich will. Ich allerdings muss jetzt aufpassen, nicht aus lauter „Dankbarkeit‟ gleich wieder „freiwillig‟ dann doch alles zu machen, was eigentlich niemand von mir verlangt hat, nur weil ich weiß, dass die anderen sich darüber freuen. Es ist eine nicht unbedingt leichte Aufgabe, doch ich muss mir immer wieder ins Gedüchtnis rufen, dass ein Versagen eben nicht „gar nicht so schlimm‟ ist, sondern katastrophale Folgen hätte. Dass ich jetzt mal dran bin.

© Angela Nowicki, 6. Juli 2013

Freitag, 5. Juli 2013

Melissa

Tagebucheintrag vom 28. Oktober 2011

Ich habe heute Marina den Link zu Melissa Assilems Website geschickt und das große Foto von ihr, und da hat sie geschrieben, dass wir in 20 Jahren auch so aussehen werden, wenn wir unser Seelenhaus so gestalten - und sie hatte da ein Feuerwerk abgefahrener Ideen - und die Melissa gefällt mir so sehr, die hat genauso fette Hände wie ich und ist so fett und ist alt, aber sie ist so schön!
Und seitdem bin ich von all der Schönheit und Buntheit und Fantasie total beseelt.
Die Welt ist schön und bunt und hat Blumen aufm Kopp.

© Angela Nowicki, 5. Juli 2013

Depression

Tagebucheintrag vom 25. Oktober 2011

Die Depression gleicht einer tiefen Gedrücktheit, gleichförmig niedriger seelischer Energielevel, nicht die geringste Lust, mich zu freuen oder anderen gegenüber freundlich (lebhaft) zu sein. Wie eine seelische Schonhaltung. Monotone, schlaffe Sprache. Wütend sein geht, wenn es nötig ist.
Gleichzeitig bittere Erinnerungen an die vielen Jahre in der „Familie‟, als ich nichts galt, den niedrigsten Stellenwert hatte. Jahrzehnte hab ich mich behandeln lassen wie einen Putzlappen. Diese Erinnerungen quälen mich so, dass ich den heutigen Zustand unserer Beziehung fast nicht mehr fühlen kann, ich würde am liebsten sofort für immer weggehen. Ohne ein Wort. Ich kommuniziere bissig, sarkastisch, richtig steinbockmäßig (hart und knapp).

© Angela Nowicki, 5. Juli 2013

Panik

Tagebucheintrag vom 21. Oktober 2011

Panik, Panik... Wie konnte sich das alles so entwickeln, als ob sich eine Schlinge um den Hals immer mehr zusammenzieht, unaufhaltsam...?
Erst war es nur meine Freundin, die im Oktober mal einen Tag kommen wollte.
Dann war es ein Missverständnis von mir, dass P. eine Woche bei seiner Mutter bleibt, woraufhin ich meine Freundin für einen Tag in dieser Woche eingeladen habe und gleich mit Übernachtung, weil ich ja allein bin.
Dann hieß es, N. spiele mit ihrer Band am 18. November zum ersten Mal wieder in unserer Stadt - ist doch super, kann P. mal hingehen und sie sich endlich mal anhören. Dass sie da mit Kind und Mann bei uns übernachten werden, war ein Begleitumstand, der auch noch keine Probleme schuf - wir haben ja drei Zimmer. Eine Nacht und zwei halbe Tage werde ich schon mal ohne Malen auskommen.
Als P. dann fragte, ob ich was dagegen habe, dass seine Mutter herkommt, habe ich zwar nicht überlegt, aber das war da auch nicht nötig, denn ich bin von maximal zwei Wochen Schwiegermutterbesuch ausgegangen, also vom 31. Oktober bis 13. November. Alles easy, Schwiegermutter bekommt eigenes Zimmer und ist ansonsten ja wirklich angenehm.

Nein, ich hätte HIER schon aufmerken und erst mal zwei Tage nachdenken müssen: In welches Zimmer packen wir sie denn? Entweder bin ich zwei Wochen in meinem Arbeitszimmer eingesperrt, wo ich weder malen noch ordentlich Yoga machen kann, oder ich muss ins Atelier ziehen, wo ich zwar angenehm leben kann, aber wieder erst großartig umräumen muss (das wäre noch das geringere Übel gewesen), vor allem aber zwei Wochen dort auf der Couch schlafen muss, auf der jeder schlecht schläft! Das geht mal zwei, drei Nächte, aber keine zwei Wochen. Ja, eigentlich hätte ich wenigstens sagen müssen, dass ich nicht einverstanden mit dem Besuch von P.s Mutter bin. Einfach, weil der zu lange dauert.

Plötzlich klärte sich mein Missverständnis auf: P. bleibt keine Woche, sondern nur drei, vier Tage weg, er kommt am Dienstag schon wieder - mit seiner Mutter. Ich muss den Besuch meiner Freundin umdisponieren, die Übernachtung ist nun allerdings schon zugesagt, die kann ich nicht zurücknehmen.

Kann ich nicht? Klar hätte ich sagen können, dass mir unter diesen Umständen die Übernachtung zu viel wird. Wurde sie aber noch nicht! Immerhin hatte ich so ja noch den Montag und den halben Dienstag für mich. An diesem Punkt war nur eine Täuschung enttäuscht worden, das kann ich noch nicht mal jemandem vorwerfen - war halt so.

Der Umschlagpunkt kam, als D. plötzlich verkündete, sie habe noch eine Woche Urlaub und käme im November zu uns. Da überschnitt sich immer noch nichts, aber es wurde schon verdammt eng. An diesem Punkt sah der Ablaufplan bereits so aus: 23./24.10. Freundin - 25.10. bis 6.11. P.s Mutter - 7. bis 13.11. D. - 18./19.11. N. mit Mann und Sohn. Das war bereits zu eng!

Weißt du, was ich hätte machen müssen? Genau an diesem Punkt mal in den Kalender gucken und hellhörig werden - und P. sagen, lad deine Mutter nächstes Jahr ein (wenn du wieder zu Hause bist, außerdem - wieso holt der die jedesmal her, wenn er gerade ausnahmsweise mal arbeiten geht??? Das ist schon das zweite Mal!), jetzt wird's zu eng nach diesem eh schon stressigen Jahr, jetzt brauche ich dringend erst mal meine Ruhe! Ein Tag und eine Nacht meine Freundin, eine Woche D. und zwei halbe Tage und eine Nacht N. mit Familie reicht mir für die kommenden anderthalb Monate völlig - zumal ja dann auch schon bald wieder Weihnachten kommt.

© Angela Nowicki, 4. Juli 2013

Mittwoch, 3. Juli 2013

Was sagt das I Ging?


Am 18. Oktober 2011 legte ich das I Ging zur Frage:

Warum halte ich insgeheim die Bedürfnisse aller Menschen für wichtiger als meine? Woher kommt diese Person in mir, die meine Individualisierung verhindert? Wieso bin ich klein und darf das nicht?

Als Ausgangssituation fiel Hexagramm 44 - Das Entgegenkommen
Das dunkle Prinzip (Yin auf Platz 1 ganz unten) drängt sich heimlich und unerwartet von innen und unten her wieder ein, nachdem es beseitigt war. Dass die fünf Yang darüber dem Yin bedingungslos vertrauen, zeigt an, dass ihre Anima beziehungslos ist, d.h. sie wissen den Wert des weiblichen Prinzips nicht einzuordnen.
--> Leichtfertigkeit: Das Gemeine kann sich nur deshalb frech eindrängen, weil das Starke, Lichte es für harmlos hält und mit ihm spielt.
--> Der schmale Grat zwischen Kompromiss und Autorität: Ein gegenseitiges Entgegenkommen der füreinander bestimmten und aufeinander angewiesenen Prinzipien ist nötig.
Rat: Stehe offen zu deinen Überzeugungen und Wünschen und vertreibe auf diese Weise zerstörerische Versuchungen!

Das Zeichen wandelt sich auf Linie 2
Das niedere Element wird hier nicht vergewaltigt, aber unter sanfter Kontrolle gehalten. Dann ist nichts Schlimmes zu befürchten. Nur muss man dafür sorgen, dass es nicht mit Fernerstehenden zusammenkommt, weil es, losgelassen, seine schlechten Seiten ungehemmt entfalten würde.
Ist es mit Fernerstehenden zusammengekommen?
„Wenn andere aufmerksam werden...‟ - Schwachpunkte, Schwächen darf man nicht erkennen lassen.
--> Ich darf mir nicht anmerken lassen, dass ich klein bin. Es ist das Kind in mir, das muss ich sanft unter Kontrolle halten.
„Bewährungshelfer entlassener Sträflinge‟ - wen hat man mir da untergeschoben?
a) Die 2. Linie steht zentral im unteren Halbzeichen des Sanften, d.h. ich versuche, das Kranke am eindringenden Yin zu verstehen.
b) Sie steht auf dem milden Yin-Platz 2, weiß daher um das Schuldigwerden.

Im Human Design gehört Hexagramm 44 zum Schaltkreis des Stammes (Sippe, Familie). Außerdem sitzt es im Milzzentrum = Instinktversagen („den Braten nicht gerochen haben‟) --> führt zu Krankheit
Zellgedächtnis, (Angst vor der) Vergangenheit
Es ist das Tor der Wachsamkeit.

Die Ausgangssituation wandelt sich damit in Hexagramm 33 - Der Rückzug
Ziehe dich statt dessen zurück und suche die Befriedigung in dir selbst.
Die untersten beiden Linien hängen sich an, lassen sich mitziehen oder mitschleppen. Sie bedeuten den fatalen, dunklen und primitiv gebliebenen Saurierschwanz, den die Yang-Linien als Schattenanteil unsichtbar hinter sich her ziehen.
Rat: Aktiver Rückzug und Umwandlung einer schwachen Position in eine Stärke.

Im HD gehört Hexagramm 33 zum Kehlzentrum und zur Vergangenheit und ist damit eine Stimme, die sagt:
„Ich erinnere mich.‟
Das Kind in mir kann sich an mein Erwachsenen-Ich anhängen, kann sich aber auch an alle äußeren Autoritäten - und das sind alle Menschen - klammern!

SCHLUSSFOLGERUNG
Es ist mein schwaches und unreifes inneres Kind, das überall nach einer Autorität sucht, an die es sich klammern kann. Mein bewusstes Ich ist zu weich und zu sehr von Schuldgefühlen besetzt, um ihm eine Autorität sein zu können. Es gibt der eindringenden kindlichen Schwäche nach, die sich wiederum an äußere Autoritäten klammert --> „die Bedürfnisse aller anderen‟. Deshalb „bin ich klein und darf das nicht‟.
Das Ging rät mir nun, mich total in mich zurückzuziehen und die Vergangenheit aufzuarbeiten, damit ICH endlich zur Autorität für mein inneres Kleinkind werden kann.


© Angela Nowicki, 3. Juli 2013

: anhand der schwiegermutter :

Tagebucheintrag vom 17. Oktober 2011

P. meinte nachmittags so ganz nebenher, das seine Mutter sicher bis Ende November bleiben werde. Ich versteinerte vor Schreck. Auf meine Frage, wo dann die Leute alle schlafen sollen, wenn beide Töchter da sind plus Schwiegersohn und Enkel, verteilte er alle mit einer großzügigen Handbewegung auf die ganze Wohnung und schloss mit dem kategorischen Hinweis, bei den Schwiegereltern wäre das ja zig Jahre lang auch gegangen. Ich rannte in mein Zimmer, schmiss die Klamotten in einer Aufwallung verzweifelter Wut auf mein Sofa - und erkannte daran, dass es mir nicht egal ist, dass ich hier einschreiten muss. Als ich zurück ins Wohnzimmer ging, sagte ich ganz ruhig und freundlich, dass vier Wochen Schwiegermutter für mich zu viel seien. Irgendwie reagierte er einsichtig, aber doch mit der Bemerkung, er werde sie schließlich nicht rausschmeißen.

Es ist wirklich erstaunlich, dass außer mir alle Leute ihre Werte und Bedürfnisse mit einer überzeugten Selbstverständlichkeit in der Welt kund tun, als gebe es da gar keine Möglichkeit, jedenfalls aber kein Recht auf Widerspruch. Nur ich, ich Schaf, bin immer noch und immer immer noch tief drinnen überzeugt, dass ich „eigentlich‟ kein Recht auf meine Werte und Bedßrfnisse habe. Dass P. schließlich mal seine Mutter einladen muss (und sie schließlich nicht rausschmeißen kann), dass ich aber, wenn ich meine Freundin einlade, sie in eine noch freie Ecke quetschen muss, und wenn die Ecke nicht frei gewesen wäre, könnte sie mich selbstverständlich nicht besuchen.

WAS, ZUM TEUFEL, IST DENN DAS???!!!
Wieso bin ich überzeugt, kein Wohnrecht auf dieser Erde zu haben?

Ich habe jetzt zwei Themen wirklich dringend zu bearbeiten, und das ist dieses „fehlende Wohnrecht‟ sowie meine Verstrickung mit und meine Schuld gegenüber den Töchtern. Und vielleicht stellt sich ja heraus, dass beides das gleiche Thema ist...

© Angela Nowicki, 2. Juli 2013

Montag, 1. Juli 2013

Das Kind, die Finsternis und Tantes Gallenwerte

Traumsequenz vom 18.-20. Oktober 2011

Heute war das obligatorische Baby, von dem ich seit Jahren träume, zum ersten Mal älter geworden! Ich habe von meinem Enkel geträumt, der plötzlich anderthalb oder zwei Jahre alt war, unheimlich gewachsen und unheimlich dünn geworden, worüber ich sehr staunte.

***

Im Klo ging das Licht nicht an. Ich versuchte es mehrmals, dachte dann, die Birne sei kaputt, und wollte Licht im Flur machen, damit ich nicht ganz im Finstern auf dem Klo sitze. Das Flurlicht ging aber auch nicht an, das zweite ebenfalls nicht, und auch in der Küche tat sich nichts. Alle Birnen kaputt? Kurz zuvor hatten die Lampen noch alle gebrannt, auch die im Klo. Und plötzlich gingen sie nicht mehr. Und ich hatte wieder einmal Angst vor der Dunkelheit.

***

Ich hatte mit meiner Tante beim Abschied verabredet, dass ich sie nicht noch einmal anrufe, da es ja schon nach sieben Uhr abends war. Dann rief sie mich doch an. Meine Tochter ging ran, und ich hörte, wie meine Tante in ihrem langgezogenen, klagenden Ton sagte: „Mich hat noch gar niemand angerufen...‟ Sofort nahm ich meiner Tochter das Telefon aus der Hand und sagte laut und ärgerlich, wir hätten das doch verabredet, dass ich nicht noch mal anrufe. Sie konnte sich nicht daran erinnern, stimmte auch nicht zu, sondern schien unzufrieden zu sein. Sie fragte - und es klang leicht pikiert -, ob ich ihre Gallenwerte wissen wolle. So, als sei in den zwei, drei Stunden, seit wir uns von ihr verabschiedet hatten, etwas Wichtiges passiert und sie wolle mir Schuldgefühle machen, weil ich nicht danach fragte.
„Nein, ich will deine Gallenwerte nicht wissen!‟ entgegnete ich.
Davon wurde zwar die Tante nicht zufriedener, doch der Traum versickerte langsam wie ein Fluss in der Wüste...

© Angela Nowicki, 1. Juli 2013